Geschichte, die an den Wänden des Museumsortes erzählt werden. Orgosolo ist Inbegriff seiner tiefen Bindung zu den Wurzeln der Barbagia sowie den Bräuchen und Sitten alter Zeiten: Es ist die Heimat des Tenorgesanges, der zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt, und der Ort der Murales (Wandmalereien). Diese Ortschaft, die 4.500 Einwohner zählt, ist weltweit für ihre beeindruckenden Malereien bekannt, die Gassen und Plätze, Häuser der Altstadt und Fassaden der Neubauten schmücken. Sie erzählen von Politik und Kultur, tief verwurzelter Uneinigkeit und Volksaufständen, Unmut und sozialer Gerechtigkeit, Alltag und Hirtenbräuchen. Ende des 19.Jh. stand der Ort im Mittelpunkt des Banditentums: Der Regisseur Vittorio De Seta beschreibt in „Banditi a Orgosolo“ (1961) den Kampf zur Verteidigung der vom Staat enteigneten Ländereien. Im Laufe des 20.Jh. bildeten sich die kulturellen, nach wie vor spürbaren Wurzeln der Murales heraus, die ursprünglich als Protestmittel dienten. Zahlreiche, sowohl lokale als auch internationale Künstler haben zur Schaffung eines Freilichtmuseums beigetragen: Hier sind 150 Werke zu sehen, deren lebhaftes Farbenspiel und edler Stil bestechen. Eine weitere uralte Tradition ist Su lionzu, ein kostbares Band, das den Kopf der gekleideten Frauen schmückt. Für die Kettfäden werden Seidenfäden (aus vor Ort gezüchteten Seidenraupen) verwendet, während das Gewebe mit Safran gefärbt ist. Zwei Daten sollten Sie sich unbedingt vormerken: Mariä Himmelfahrt (Ferragosto) das wilde Pferderennen Sa Vardia ‘e mes’Austu und Mitte Oktober Gustos e Nuscos, die Etappe von Orgosolo im Rahmen des Herbstes in der Barbagia: Empfangen wird man vom schmackhaften alten Fleischgericht Sa purpuzza.

Das Wohngebiet erstreckt sich auf ca. 600 m Höhe an den Hängen des Monte Lisorgoni, einem Ausläufer des Gennargentu-Massivs, und dominiert die vom Cedrino-Fluss durchquerten Täler. Die spektakuläre, unwegsame Landschaft des Supramonte von Orgosolo ist von wilder, unberührter Natur inmitten der Barbagia di Ollolai umgeben, die von erfahrenen Führern auf einzig vom Wind verwehten sowie von Wildschweinen und Mufflons begangenen Wanderwegen erforscht werden können, die jahrhundertelang Banditen und Hirten Unterschlupf boten. Hier befinden sich tiefe Schluchten, Grotten und Kalkberge wie Novo San Giovanni (1300 m) und Fumai. Auf dem Berg Su Biu nistet der Königsadler. Auf einem der Wege, die vom Ort wegführen, stößt man auf die Doline Su Suercone, wo sich ein 200 m tiefes und 400 m breites Erdloch gebildet hat. Zu den Naturdenkmälern, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, gehört die 22 km lange Klamm Gorroppu. Sie ist größtenteils begehbar, mit 450 m hohen Wänden und eine der tiefsten Klamm Europas. Weitere Wege führen tief in die Wälder Sas Baddes, einem seltenen primären Steineichenwald, in dem jahrhundertealte Eiben, Wacholdersträucher und Stechpalmen wachsen, und Montes mit seinen charakteristischen Hirtenhütten Pinnettos. Dieses zauberhafte Gebiet bietet auch prähistorische Zeugnisse, wie Domus de Janas, Gigantengräber sowie die Nuraghen Su Calavriche und Mereu.