Salvatore Satta nannte den Monte Corrasi, zu dessen Füßen das Dorf Oliena liegt, „den schönsten Berg, den Gott je erschaffen hat”. Der große Schriftsteller war beeindruckt von den wunderbaren, reinen Farben seiner Kalkfelsen, die bei Sonnenuntergang in magischen Farbtönen leuchten. Seine Natur, die archäologischen und künstlerischen Schönheiten machen Oliena zu einem der schönsten Dörfer Sardiniens, das jedes Jahr Ziel zahlreicher Touristen ist. Auffallend ist die große Zahl an Kirchen im Dorf: Bereits Vittorio Angius zählte elf im Jahr 1843, die heute noch zu besichtigen sind. Die zwei interessantesten sind sicherlich die ehemalige Jesuitenkirche S. Ignazio und die antike Pfarrkirche Santa Maria. Die im 17. Jahrhundert umgebaute Kirche Santa Croce ist die älteste und wird von einem eigenartigen Glockengiebel überragt. Der Jesuitenkonvent im Corso Vittorio Emanuele II erinnert an die Ankunft des religiösen Ordens, der ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Weinanbau und die Seidenraupenzucht förderte. In der Kirche Sant'Ignazio sind die interessanten Holzstatuen von Sant'Ignazio und S. Francesco Saverio und ein Retabel von San Cristoforo.

Außerhalb des Dorfes kann man am Abhang der Berge vom Rifugio Monte Maccione verschiedene Exkursionen zu den rauen und spektakulären Felsen des Supramonte von Oliena machen. Hinter den eindrucksvollen Kalkmassen des Supramonte, die zum Meer der Ostküste hin abfallen, versteckt sich eine mondähnliche Landschaft von seltener Schönheit mit archäologischen Stätten wie domus de janas (Höhlengräber), Menhire und Nuraghen, die sie einzigartig auf der Welt machen. Vom Monte Maccione aus, von wo aus man Oliena in seiner ganzen Ausdehnung betrachten kann, überquert man die Bergkette und steigt ins Tal Lanaittu ab. Dort befinden sich zahlreiche Grotten wie Sa Oche e Su Bentu und die Grotte Corbeddu, die nach dem Banditen Giovanni Corbeddu benannt wurde, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt und die Grotte als geheimen Unterschlupf genutzt hat. Diese Grotte ist für die Höhlenforscher nicht so interessant, umso mehr aber für die Archäologen und die Paläontologen: Hier wurden 1968 neben menschlichen Überresten und Gebrauchgegenständen aus Knochen die Reste des so genannten Proalagus Sardus Wagner gefunden, eines kleinen Nagetiers, das vor zwanzig Millionen Jahren ausgestorben ist. Am Ende des Tals Lanaittu erhebt sich das Kalksteinmassiv von Tiscali, zu dem man über einen steilen Weg gelangt. Beim Aufstieg entlang dieser rauen Doline betritt der Besucher eine wilde, fast intakte Welt mit einem dichten Wald und jahrhundertealtem Wacholder, das Reich der Mufflons und der Wildschweine, das vom majestätischen Flug der Gänsegeier und Habichte überwacht wird. Am Ende des Weges öffnet sich eine gottverlassene Hochebene mit den Resten des Reiches der Ilienser, ein Ort, den die römischen Legionen nicht erreichen konnten.

Unter einem großen Kalksteinvorsprung, dem Gewölbe einer enormen, zum Teil eingestürzten Höhle liegen die zwei Dörfer Tiscali und Iscali, der letzte Schutzwall des Widerstandes der Barbagia gegen die römische Einmischung. Die Dörfer bestehen aus kleinen, runden und rechteckigen Bauten aus Stein. Einer alten Überlieferung nach brachten die Kinder ihre alten Eltern den Weg entlang zu den Dörfern und ließen sie dann fast ohne Essen allein zurück, nachdem sie sich zusammen betrunken hatten. Das sollte helfen, die Trennung besser zu überwinden. Dieser Brauch wurde mit dem Christentum abgeschaffen, auch wenn er in den abgeschiedeneren Gegend noch einige Jahrhunderte erhalten blieb. Einige Kilometer von Oliena entfernt befindet sich die karstige Quelle Su Gologone, hier sprudelt Wasser hervor, das sich seinen Weg durch die Felsen der Berge gegraben hat. Die eisige Quelle ist im Sommer angenehm frisch und wird mit den winterlichen Regenfällen mitreißend. Der Wasserdurchfluss beträgt im Durchschnitt 300 Liter pro Sekunde, damit ist es die erste Quelle in Sardinien. An der Quelle lädt ein kleiner Wald zum Picknick im Kühlen ein. Zur Erforschung der Tiefe der Grotte, die seit Jahren überflutet ist, steigen Unterwasserspeläologen immer tiefer in die Grotte hinab. Oliena ist reich an volkstümlichen Traditionen und Festen, die jedes Jahr viele Besucher anziehen. Die wichtigsten mit großen Prozessionen sind San Lussorio am 21. August und S'Incontru am Ostersonntag. Bei beiden Festen sind die prächtigen, farbenfrohen Trachten mit dem charakteristischen Schmuck zu bewundern. Eindrucksvoll ist im Winter das antike Fest Sant'Antonio Abate am 17. Januar mit mehreren Lagerfeuern in den Straßen des Dorfes. Es können auch interessante Einkäufe im Dorf gemacht werden: Einst waren Schmuck, Gebäck und Webereiarbeiten aus Oliena bekannt. Heute verbindet man den Namen Oliena auf der ganzen Insel mit dem Nepente, einem ausgezeichneten Cannonau, der in den lokalen Weinkellereien hergestellt wird. An diesen Wein erinnert auch G. D'Annunzio in einem Brief von 1909. Noch heute steht auf dem Flaschenetikett das berühmte Zitat: "Non conoscete il nepente d'Oliena neppure per fama? Ahi lasso! lo sono certo che, se ne beveste un sorso, non vorreste mai più partirvi dall'ombra delle candide rupi, e scegliereste per vostro eremo una di quelle cellete scarpellate nel macigno che i Sardi chiamano Domos de Janas, per quivi spugnosamente vivere in estasi fra caratello e quarteruolo. Io non lo conosco se non all'odore. e l'odore, indicibile, bastò a inebriarmi." („Ihr kennt den Nepente von Oliena nicht mal dem Namen nach? Ach, ihr Unglücklichen! Ich bin sicher, wenn ihr nur einen Schluck trinken würdet, würdet ihr euch nie wieder trennen wollen vom Schatten der weißen Felsen und würdet für eure Einsiedelei eine jener in den Felsen gehauenen Zellen wählen, die die Sarden Domos de Janas nennen, um dort begierig unter Holzfässern und Weinbechern in Extase zu leben. Ich erkenne ihn nur am Geruch, und der unbeschreibliche Geruch ist genug um mich zu berauschen.”)