Ein romantisches Bild mit Kalkfelsen, tiefen Dolinen, Schluchten und üppig bewachsenen Tälern. Die Umgebung von Oliena, einem Ort in der Barbagia am Fuße des Monte Corrasi, zehn Kilometer von Nuoro entfernt, ist ein riesiges Naturdenkmal, das ideal zum Wandern, Radfahren, Klettern und für Kayaktouren ist. Die erste Siedlung war römisch, einer Mischung aus, laut Sallust, „rebellischen“ Völkern, wie den Ilienses und Trojanern, die auf der Insel Zuflucht genommen hatten. Heute trägt dieser Ort, der 7.000 Einwohner zählt, das orangene Qualitätssiegel, das der Natur, Kultur, dem Handwerk und der Gastfreundschaft seiner Bewohner zu verdanken ist. Geschickte Hände schaffen wunderbare Kunstwerke: Holztruhen, in denen das typische Brot Carasau aufbewahrt wird, feine Stickereien auf Kleidungsstücken, Teppichen, Decken sowie Filigranschmuck. Das aus erlesenen Olivensorten gewonnene Öl und der Nepente, dem berühmten von D’Annunzio sehr geschätzten Wein Cannonau sind die Spitzenprodukte dieses Landstrichs. Die erlesene, von der Schafzucht geprägte Küche ist eine wahrlich einzigartige Erfahrung: Macarrones de busa (typisch sardische Gnocchi), das Brotgericht Pane frattau, Spanferkel, Käse und mit Honig und Mandeln zubereitete Süßspeisen: Pistiddu für die Fuochi di Sant’Antonio Abate, Origliettas zum Karneval, Casadinas zu Ostern, Papassinos zu Allerheiligen sowie Amaretti (Mandelmakronen) für Familienfestlichkeiten. Das ganze Jahr über hingegen gibt es Seadas, Pistoccos und S’Aranzada. Diese Süßspeisen kann man auch während des Herbstes in der Barbagia probieren. Ein beliebtes Fest ist S’Incontru, mit dem die Karwoche abgeschlossen wird: Höhepunkt dabei sind die besonders eleganten Kleidungen und der traditionelle Schmuck.

Steilhänge, Felsnadeln und Grotten prägen den Corrasi, einen Berg des Supramonte, dessen Gipfel besonders trocken ist und der auf halber Höhe mit Steineichen und im Tal mit Olivenhainen, Weinbergen sowie Mandelbäumen bewachsen ist. Ihn durchqueren Gehwege, die ein beliebtes Ziel von (geübten) Wanderfreunden sind. Mufflon, Königsadler und Königsfalken runden die Besonderheiten des sardischen Dolomits ab. Absolut sehenswert ist auch das Lanaittu-Tal, das besonders reich an Naturschätzen und prähistorischen Fundstätten ist: Eine Doline birgt das geheimnisvolle Nuraghendorf von Tiscali (15.-8.Jh.v.Chr.), Sa Oche und Su Bentu, zwei Grotten, die ein wahres Meisterwerk der Natur und umgeben von unterirdischen Seen, Stalaktiten und Stalagmiten sind sowie die Grotta Corbeddu, in der menschliche Spuren aus der Altsteinzeit entdeckt wurden. Am Beginn des Tales stößt man auf Sa Sedda ‘e Sos Carros: In nuraghischer Epoche wurden hier Metalle verarbeitet und der Wasserkult zelebriert. Über das gesamte Gebiet sind weitere 30 Nuraghen verstreut. Auch pränuragische Zeugnisse findet man hier in Hülle und Fülle: So wie das Felsschutzdach von Frattale, 40 Domus de Janas, zwölf Menhire und das Dorf von Biriai. Nahe des Tales entspringt die Quelle Su Gologone, die dank seines tiefen, eisigen blau-grünen Wassers zum Nationaldenkmal ernannt wurde. Unweit davon erhebt sich Nostra Signora della Pietà, einem der Wahrzeichen der Frömmigkeit der Gemeinschaft von Oliena. Als Beweis für den Einfluss der Jesuiten hingegen ist die Kirche des Hl. Ignatius von Loyola anzusehen. Im ehemaligen Kollegium werden ein Retabel des Hl. Christophorus (aus dem 16.Jh.) und Holzstatuen aufbewahrt, darunter der Christus de S’Iscravamentu. Ebenso wie die Brücke Pappaloppe („der Pisaner“) legt auch die Kirche Santa Maria (13.-14.Jh.) Zeugnis für die Entwicklung der Ortschaft im Mittelalter ab. Sie konnte ihre gotisch-aragonesische Struktur bewahren, auch wenn deren heutiges Erscheinungsbild diversen Umbauten zuzuschreiben ist. Unter den anderen Kultbauten ist vor allem San Lussorio hervorzuheben, dem ein besonders tief verwurzeltes Fest gewidmet ist. Im umliegenden Landgebiet sind San Giovanni und Nostra Signora del Monserrato sehenswert, die die typischen Unterkünfte der Novenenbeter Sas cumbessias prägen.