Inmitten der Berge des Sarrabus liegt die Ortschaft San Vito, umgeben von einer Landschaft aus Stein- und Stieleichenwäldern, durch die der Flumini Uri fließt. Der Ortsname stammt von dem heiligen Schutzpatron, dem die Pfarrkirche geweiht ist. San Vito liegt in einem Gebiet, das schon in vorgeschichtlicher, frühgeschichtlicher sowie punischer und römischer Zeit besiedelt war, wie die Siedlungsreste in Santa Maria und die Nuraghen Asoru und Santa Suia belegen. Doch der heutige Wohnort wurde Ende des 15. Jahrhunderts gegründet, unterlag dann dem spanischen Verwaltungssystem und fiel schließlich unter das Marchesat von Quirra. Die Wohnhäuser des Ortes sind nach der typischen Bauweise Südsardiniens erbaut, mit großzügigen Innenhöfen, in die man durch ein großes Holztor gelangt. Mit dem angrenzenden Ort Muravera teilt San Vito ein Gebiet mit reichen Silbervorkommen, so im Silberbergwerk von Monte Arba, das einst sehr reich war und heute stillgelegt ist. Nicht weit vom Hauptort entfernt liegt der Ortsteil San Priamo, in der Nähe des Stagno di Colostrai, einem bedeutenden Feuchtgebiet Südsardiniens, in dem seltene Vogelarten leben.

Sehr faszinierend ist das Kalkgebilde des Monte Lora, eine Erhebung, die ein Frauenprofil darzustellen scheint. San Vito ist für seine Webkunst bekannt, die eine reiche Produktion von Decken, Tischdecken und Teppichen umfasst. Für die Teppichherstellung wird die Technik "a pibiones", das heißt eine Knotentechnik verwendet, die den Geweben eine außerordentliche Weichheit gepaart mit Widerstandsfähigkeit verleiht. Von besonderem historischem Interesse ist die am Ortsrand gelegene Kirche San Lussorio. Sie präsentiert sich mit einfachen Linien und ist von zwei massigen Strebemauern gestützt. der einschiffige Innenraum hat ein Tonnengewölbe und eine Holzüberdachung. Die vor 1761 errichtete Pfarrkirche ist dem Märtyrer San Vito geweiht. Am Ortsrand befindet sich neben San Lussorio auch die Kirche Santa Maria di Orrea, während man im Umland die Landkirchen Santa Barbara, San Vincenzo, San Giorgio und Sant'Antonio antrifft. In der Nähe des Dorfes erhebt sich der Nuraghe Asoro, der aus einem runden Mittelturm und einem umgebenden Mauerwerk besteht. In dem nahen Ortsteil San Priamo steht die gleichnamige Kirche, deren ursprünglicher Bau auf das 11. Jahrhundert zurückgeht, die aber zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert verschiedene Umbauten erfuhr. Im Innenraum der Kirche befindet sich, eingebunden in eine kleine Kapelle aus dem Mittelalter, ein Höhlengrab (domus de janas), wo ein uralter Wasserkult begangen wurde. Ein attraktives Ereignis ist ohne Zweifel das Fest von San Vito. Es schließt eine feierliche Prozession durch die Straßen des Ortes mit dem von traccas (festlich geschmückten traditionellen Karren) begleiteten Standbild des Heiligen ein. Nach dem religiösen Ritual findet ein Tanzwettbewerb der Trachtengruppen zum Klang der Launeddas, einem sehr alten sardischen Blasinstrument, statt. Nicht von ungefähr befindet sich in San Vito eine Schule für Musiker, die das Launeddas-Spiel erlernen oder verbessern möchten. Ende Juli findet die Kunsthandwerksmesse des Sarrabus statt, auf der Weberzeugnisse und ländliches Kunsthandwerk gezeigt werden. Die lokale Küche ist besonders schmackhaft. Zu nennen sind die Ravioli mit Kartoffel- und Käsefüllung, "is culingionis de patata e casu", die gegrillten Ziegen und Zicklein, das mit Sirup aus Kaktusfeigen hergestellte Gebäck und der einheimische Cannonau. Im letzten Drittel des Monats Juli feiert man "Sa prazzira e de sa pezza de craba": Bei der Ersteren handelt es sich um die lokale Pizza, die aufgrund der verwendeten Naturzutaten besonders köstlich ist. bei der Letzteren um Ziegenfleisch, das sich durch einen starken, entschiedenen Geschmack auszeichnet.