Samugheo ist auf der gesamten Insel wegen seiner florierenden Textilherstellung bekannt, deren Verfahren nach uralter Tradition von den Frauen an ihre Töchter weitergegeben werden. Bei allen Ausstellungen über sardisches Kunsthandwerk sind auch die berühmten Teppiche, Wandteppiche und Decken aus diesem Dorf vertreten, die auf Holzwebstühlen angefertigt werden. Farben und Maße haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, und neben der traditionellen Ausstattung sind im Zuge des Fremdenverkehrs neue Produkte hinzugekommen. Außer den klassischen Naturfarben gibt es die Stoffe inzwischen in den bunten Farben eines breiten Spektrums.

Diese Veränderungen haben jedoch der Schönheit dieser wertvollen, in Handarbeit erstellten Erzeugnisse keinen Abbruch getan. die seit Jahrhunderten bekannten und inzwischen sehr berühmt gewordenen Muster und Motive sind erhalten geblieben. Als Bestätigung für die Besonderheit und den Wert der Stoffe von Samugheo wurde dem Ort das Gütesiegel D.O.C. als originale Herkunftsbezeichnung dieser Produkte verliehen. Außerdem wurde eine Genossenschaft eingerichtet, an der sich viele Firmen aus der Umgebung beteiligen. Die Kunst der Stoffherstellung wird auch durch die Eröffnung eines bisher einmaligen regionalen Museums dieser Art (Museo Unico Regionale dell'Arte Tessile) am Ortsrand von Samugheo hervorgehoben. In mehreren Ausstellungsräumen sind dort außer Stoffen auch Geräte und Werkzeuge ausgestellt, die bei der Herstellung zum Einsatz kommen.

Der Besucher von Samugheo kann in diesem Gebiet zahlreiche archäologische Fundstätten besichtigen. Am eindrucksvollsten ist mit Sicherheit der Ort, wo sich das sagenumwobene Schloss Medusa befindet (Castello di Medusa). Es erhebt sich auf einem Berg hoch über der Schlucht des Riu Aratisi und ist vollständig in einen Marmorfelsen gehauen. Das Schloss stammt aus der byzantinischen Zeit und hatte die Aufgabe, das Gebiet zu bewachen und vor den häufigen Überfällen von Räubern der Barbagia zu schützen, die in das Gebiet der Marmilla eindrangen um die Dörfer zu plündern. Heute wird die Besichtigung des Schlosses durch eine dichte und üppige Vegetation erschwert. Einer Legende nach soll in dem Schloss noch immer das Gespenst der geheimnisvollen Königin Medusa hausen. In der Umgebung des Dorfes kann man auch mehrere Höhlengräber (domus de janas) besichtigen, wie zum Beispiel die Grabstätte von Spelunca Orre, die in rosafarbenen Trachyt getrieben wurde. das Felsengrab Paule Luturu (dessen Menhire in das Gebäude Casa Serra gebracht wurden, das inzwischen der Gemeinde gehört). mehrere Nuraghen, von denen der eintürmige Nuraghe Perda Orrubia im Tal des Rio Noedda besonders sehenswert ist, ebenso wie das jüdische Hypogäum in der Ortschaft Pranu 'e Laccos aus dem 4. Jh. n. Chr., wo ein siebenarmiger Leuchter gefunden wurden, der auf die Präsenz einer jüdischen Gemeinde im Gebiet um Samugheo schließen lässt. In dieser Gegend befinden sich außerdem etwa 700 &bdquo.pinnatzusu', das heißt kreisförmige Trockenbauten mit einer Steinbedachung, die in der Vergangenheit den Hirten als Unterkunft dienten und heute zum Unterstellen der Tiere genutzt werden. In Samugheo sind folgende Kirchen besonders sehenswert: die Kirchen San Mari di Abbassa, San Basilio, San Michele und die Kirche San Sebastiano.

Die Landkirche San Mari di Abbassa, von der man einen wunderschönen Ausblick auf die umliegende Gegend hat, wurde 1931 wiederaufgebaut, um das Gelübde eines jungen Mannes aus Samugheo zu erfüllen, der dank der hl. Jungfrau den Krieg überlebte. Die Grundmauern des Sakralbaus reichen vermutlich ins 15. Jahrhundert zurück und sind damals wiederum auf den Ruinen eines heidnischen Tempels zu Ehren Kybeles errichtet worden. Nach einer Pestepidemie im 16. Jahrhundert wurde die Kirche zu Ehren des San Basilio erbaut, einem Heiligen, der das Dorf durch seine Wundertaten von der Pest befreit hatte. Der Bau hat keinen besonderen baugeschichtlichen Wert, die Bewohnern halten die Kirche aber besonders heilig und verehren den Hl. Basilius als &bdquo.Basile Mannu Dottore', ihren Beschützer und Heiler. Von gewissem archäologischen Interesse ist auch das Gebiet, wo sich früher die Landkirche San Michele befand und wo heute nur eine Ruine der Kirche steht, die alten Erzählungen zufolge wohl die älteste Kirche des Ortes gewesen ist. Abschließend sollte man auch der Kirche San Sebastiano einen Besuch abstatten. Sie wurde zwischen dem 15. und 16. Jh. erbaut. Einer Legende nach sollte diese Kirche eigentlich 300 m westlicher stehen, doch das Baumaterial wurde jeden Morgen auf geheimnisvolle Weise an dem Ort gefunden, wo sich die Kirche heute befindet. so glaubte man an eine Wundertat des Heiligen und errichtete die Kirche an ihrem aktuellen Standort. Samugheo bietet auch eine faszinierende Umgebung. im Gemeindegebiet liegen inmitten einer dichten Vegetation mehrere Höhlen und Grotten, die viele Höhlenforscher anziehen. Von den zahlreichen Höhlen sollen an dieser Stelle vor allem folgende erwähnt werden: &bdquo.Sa conca 'e su Cuaddu' im Tal des Riu Settilighe, die Adlergrotte (Grotta dell'Aquila) auf dem Berg &bdquo.Sa Pala de is Fais' (man erreicht diese Höhle allerdings nur, indem man sich aus der Höhe etwa 25 m mit Seilen und kleinen Treppen herabseilt) sowie die in der Nähe des Schlosses von Medusa (Castello di Medusa) liegenden Höhlen, wie die eindrucksvolle Grotte &bdquo.Buco della Chiave' (Schlüsselloch), die die charakteristische Form einer Sanduhr besitzt. In Samugheo werden noch viele alte Traditionen gepflegt, die auch aufgrund der besonderen geografischen &bdquo.Isolation' lange Zeit bewahrt blieben.

Sehr charakteristisch ist zum Beispiel die Festtracht der Frauen, vor allem die in ihrer Art einmalige Kopfbedeckung, die aus vier kleinen Tüchern (eigentlich waren es früher sieben) besteht. Sie werden zusammengerollt und um das Gesicht der Frau gelegt, sodass nur wenige Gesichtszüge zu erkennen sind. Sehr eindrucksvoll sind auch die Feiern zu Ehren der von den Bewohnern Samugheos verehrten Heiligen sowie der Karneval mit seinen typischen Masken. Die Feiern beginnen am il 17. und 20. Januar, wenn beachtliche Feuer mit dem gespendeten Holz aller Bewohner des Ortes zu Ehren der Hl. Sant'Antonio und San Sebastiano entzündet werden. Im Februar füllen sich die Straßen anlässlich der Karnevals-Rituale mit Menschen. der Karneval in Samugheo gehört in ganz Sardinien zu den beeindruckendsten seiner Art. Die besondere Aufmerksamkeit gilt den Masken tragenden Mamutzones, die mit Ziegenfell &bdquo.bekleidet' sind, hohe Korkmasken mit großen Hörnern tragen und dabei schwere Glocken, sogenannte campanacci, erklingen lassen, die sie auf dem Rücken tragen. Ihre Gesichter sind mit schwarzem Rauch angemalt. Die Mamutzones tanzen um den S'Urtzu, eine Figur, die halb Ziegenbock und halb Mensch ist. Ein Hüter, Su Omadore, versucht diese Figur mit einem Stock, einer Kette und einem Stachel zu bezwingen und als Opfer darzubringen. Die Bedeutung der Masken von Samugheo hat gleichermaßen Bezug zum Heiligen als auch zum Profanen oder Heidnischen Ritus und symbolisiert wahrscheinlich die antiken Bräuche dionysischer Riten. Am 7. Juli wird das Fest des San Costantino gefeiert, zu dessen Ehren eine kleine 'Ardia', das heißt ein rituelles Pferderennen, rund um die Kirche San Basilio veranstaltet wird. Am 1. September findet eines der ältesten Feste in Samugheo, das San Basilio-Fest statt. Dabei wird die Figur während einer Prozession durch das Dorf getragen. Außerdem findet ein Pferderennen, ein sogenannter &bdquo.palio' statt, an dem sich auch Reiter aus den benachbarten Ortschaften beteiligen. Am 8. September wird eine Feier zu Ehren der Santa Maria in der kleinen, gleichnamigen Landkirche veranstaltet, ebenfalls mit einem Pferderennen, dem palio. Vom 9. August bis zum 10. September ist Samugheo das Ziel tausender Touristen, die die Handwerksmesse (Mostra dell'Artigianato) besuchen, bei der lokale handwerkliche Produkte aus Schmiedeeisen oder Holz sowie die berühmten Stoffe ausgestellt werden.

Das letzte lokale Volksfest im Jahr findet im Oktober statt, es ist das Fest des Brotes, bei dem altüberlieferte Verfahren zur Brotherstellung gezeigt werden, mit anschließender Verköstigung. Viele verschiedene Brotsorten werden dabei präsentiert, wie zum Beispiel &bdquo.sa farrighinjiada' (ein Brot in länglicher Form und einem Loch in der Mitte), &bdquo.sa fresa o pistoccu' (ein flaches, rundliches Brot), &bdquo.su tzicchi' (ein Brot mit Verzierungen, die je nach Anlass variieren) und schließlich &bdquo.sa coccoa cun bedra' (diese Brotsorte wird in der Zeit des Schweineschlachtens gemacht, da man zu seiner Herstellung Schmalz benötigt. je nach Rezept wird es aber auch mit &bdquo.Ricotta' und Rosinen gefüllt).