Ein Ort, den man mindestens einmal im Leben gesehen haben sollte, von bewundernswerter Schönheit und Faszination: Die Neptun-Grotten gehören zu den herrlichsten Meereshöhlen Italiens und zu den faszinierendsten Naturschauspielen des gesamten Mittelmeerraums. Ihre Bildung geht auf circa zwei Millionen Jahre zurück: im Inneren eröffnen sich dem Besucher beeindruckende Karstformen, ein strahlend weißer Sandstrand und ein riesiger unterirdischer See. Die coves de Neptú (Katalanisch) wurden von einem Fischer im 19. Jahrhundert entdeckt und wurden schon bald zu einer touristischen Attraktion. Sie erstrecken sich horizontal auf rund vier Kilometern auf einer Höhe mit dem Meeresspiegel. Sie liegen 24 Kilometer von Alghero entfernt und sind der ganze Stolz des Meeresschutzgebiets von Capo Caccia-Isola Piana, im Park von Porto Conte. Den Eingang erreicht man über die Escala del cabirol (Katalanisch), die sogenannte „Rehtreppe“: 654 Stufen winden sich am westlichen Ausläufer der Landzunge von Capo Caccia bis zur Mündung. Bequemer erreicht man den Eingang über das Meer, täglich verkehren Boote vom Freizeithafen der katalanischen Stadt oder vom Steg der Cala Dragunara in Porto Conte, wobei man gleichzeitig in den Genuss der steil aus dem Meer ragenden Felswände kommt. Während der Fahrt werden Sie von den unzähligen herrlichen Ausblicken auf Riviera del Corallo begeistert sein.

Der Besucherundweg führt etwa einen Kilometer lang durch die Grotten. Der Eingang ist ein mit Pflanzenablagerungen bedeckter Durchgang voller Stalaktiten und Stalagmiten. Ein neun Meter langer Säulengang führt zum kristallklaren Salzwassersee La Marmora, der bis zu hundert Meter lang und bis zu neun Meter tief ist. Von hier aus erhascht man erste Blicke auf den herrlichen Sandstrand, der früher vollkommen mit Kies bedeckt war. In der Mitte erhebt sich das sogenannte Weihwasserbecken, ein monumentaler Stalagmit mit mehreren kleinen Becken an der Oberseite, die in der Nähe nistende Vögel als Tränke nutzen. Zwischen großen Kanälen und Kalkgirlanden erhebt sich am Boden des Sees ein besonders geformter Stalagmit, der sogenannte ‘Weihnachtsbaum’. Über einen kurzen, leicht absteigenden Pfad gelangt man zur Sala delle rovine, dann zur majestätischen Sala della Reggia, in der sich ein besonders beeindruckendes Schauspiel bietet: eine 18 m hohe Säule reicht bis zum Gewölbe und formt zwei spektakuläre Bögen, welche die Decke zu stützen scheinen. Weiter geht es durch die Sala Smith (bzw. Sala dell´Organo), die nach einem ihrer ersten Erforscher benannt wurde (20. Jahrhundert). In der Mitte des Saals steht die große Orgel, der größte Tropfstein der Höhle, der an Orgelpfeifen erinnert. Schließlich gelangt man zur Sala delle Trine e dei Merletti (Schnürsenkel- und Spitzen-Saal), den unzählige, fadenförmige Tropfsteine schmücken. Den Abschluss bildet der Besuch der Tribuna della Musica (Musik-Tribüne), ein Balkon, von dem aus man auf ‘Reggia’, See und Strand blickt. Neben den rund 150.000 Besuchern jährlich zieht es auch zahlreiche Höhlenforscher in die Grotten, denen der Zugang zu den tieferen, geheimen Felsräumen vorbehalten ist. Auf sie warten der Lago dei Funghi und durch die Galleria Metrò gelangen sie zu einem riesigen Saal mit einem 70 m langen und über 50 m tiefen, halbmondförmigen See. Die Tropfsteinhöhle war auch Schauplatz für einen Kinofilm: 1978 wurde dort die ‘Insel der neuen Monster’ nach Erzählungen von Jules Verne verfilmt.

In den Felsen bei Capo Caccia, einem bei Kletterern und Tauchern gleichermaßen beliebten Ziel, findet man weitere, faszinierende Höhlen. In der Nähe befinden sich des Weiteren die Grotta dei Pizzi e Ricami sowie die bekannte, riesige Grotta Verde, auch Altarhöhle genannt. Ihre Felswände können nur von erfahrenen Höhlentauchern erforscht werden. Ein kleiner unterirdischer See taucht alles in ein grünes Licht. Die Räume waren früher trocken und wurden vom 6. Jahrtausend v. Chr. bis ins Mittelalter als Kult- und Begräbnisstätte genutzt. In Bezug auf das weitläufige Unterwasser-Karstsystem ist vor allem die Grotta di Nereo zu nennen, die größte Unterwasserhöhle Europas, die Schauplatz für unvergessliche Tauchgänge ist. Vor Capo Caccia liegt die Insel Foradada (Forata), deren Name von einem Tunnel stammt, der die Insel von einem Ende zum anderen durchzieht, die sogenannte Grotta dei Palombi.