Auf dem Streifen, der Lula mit Siniscola verbindet, erstreckt sich das mächtige Kalkmassiv des Monte Albo. Die bewaldten Hänge, die von den hohen Spitzen der Punta Catirina und dem Monte Turuddò überragt werden, sind ideal für Spaziergänge auf den Wanderwegen inmitten alter Steineichen, hoher Erdbeerbäume und duftendem Wacholder. Auf der Wanderung begegnet man auch einer reichen Tierwelt und kann in der Ferne Mufflons und Wildschweine erkennen. Immer wieder hat man herrliche Ausblicke auf die Baronia. Mit lokalen Führern kann man Exkursionen zu besonders eindrucksvollen Orten unternehmen, wie dem Kanal von Sas Piperai, der Quelle Istiriddò, der Punta de su Nuraghe, wo am Gipfel die Reste eines urgeschichtlichen Bauwerks stehen, der Punta Casteddu mit den Ruinen eines Nuraghendorfes und dem Pass Janna di Murai, über den man Sa Tumb de Nurai erreicht, einen tiefen natürlichen Brunnen.

Diese Berge und die fast unberührte Natur bieten dem Touristen eindrucksvolle Stätten, die die Geschicht dieses Fleckchen Erde erzählen. Zu Füßen der Berge sind zahlreiche domus de janas (Höhlengräber), Zeugen aus der Jungsteinzeit. Zu den schönsten gehört sicherlich Sa Conchedda 'e Su Priteru im Innern eines kalkigen Grates, dessen eisenhaltige Masserung eine rötliche Farbe verleiht. Es gibt auch viele Reste von Nuraghendörfern, tombe dei giganti (Felsengräber) und Nuraghen, von denen man den aus kalkhaltigen Steinen errichteten Littu Ertiches am Fuße des Berges besichtigen sollte. Ein weiteres interessantes Ziel ist das Bergwerk Sos Enattos an den Hängen des Monte Albo. Es wurde bereits von den Römern genutzt, im 19. Jahrhundert wieder entdeckt und bis vor wenigen Jahren dauerte der Förderbetrieb noch an. Heute ist dieses Gebiet Teil des von der UNESCO unerkannten Projekts Parco Geominerario Storico e Ambientale della Sardegna. Nicht weit davon entfernt liegen die stillgelegten Bergbaustätten Buzzurra und Argentario, wo Bleiglanz gefördert wurde und wo man noch die Ruinen einiger Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sehen kann. Im Territorium sind viele kleine Kirchen auf dem Land, von denen man die Wallfahrtskirche San Francesco di Lula unbedingt besichtigen sollte. Es ist einer der eindrucksvollsten und bedeutendsten ländlichen Wallfahrtskirchen Sardiniens. Der Überlieferung nach wurde sie im 17. Jahrhundert von einigen Banditen aus Nuoro gegründet. Deshalb wird San Francesco d'Assissi (hier nennt man ihn San Francesco di Lula), dem die Kirche geweiht ist, als Schutzpatron der Banditen und balentes, d.h. der Mutigen, betrachtet.

Die heutige Kirche von 1795 ist der Umbau einer Kirche aus dem 17. Jahrhundert und verwahrt im Innern eine Holzstatue des Heiligen der napoletanischen Schule aus dem 17. Jahrhundert. Rund um den Wallfahrtsort hat sich ein kleines Pilgerdorf entwickelt mit zahlreichen cumbessias, den typischen Pilgerzellen für die Gläubigen während der Festtage. Das Fest, das vom 1. bis zum 9. Mai stattfindet, ist eines der innigsten und meist besuchten im Gebiet von Nuoro und der Baronie. Der Pfarrer bietet allen Gläubigen, die zum Fest kommen, die typische Suppe su filineddu (Schafbrühe mit Käse) und su zurrette (Blutwurst) an. Es werden verschiedene Riten abgehalten und das Fest endet mit einem ausgiebigen Gelage im Freien, dem so genannten s'arbore (der Baum), an dem symbolisch auch die Heiligenstatue San Francesco teilnimmt. Ein weiteres wichtiges Fest wird am 17. Januar zu Ehren von Sant'Antonio Abate begangen. Dabei werden große Lagerfeuer angezündet und auf der Asche wird der Baum des Schlaraffenlandes aufgestellt. Alle Teilnehmer erhalten eine typisches, mit Orangenschale gewürztes Gebäck mit dem Namen aranzata. Am ersten Sonntag im September feiert man San Nicola mit einem schönen Fest auf dem Land und am 4. Oktober findet die erste Wallfahrt zu Ehren von San Francesco statt. Die Wallfahrt führt von der Kirche della Solitudine zum Wallfahrtsort.