Nurachi ist ein Dorf mit uralten Wurzeln und liegt im mittleren Westen Sardiniens. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der Halbinsel des Sinis bis zum Stagno di Cabras. Der Ort lebt vorwiegend von Landwirtschaft. Sein Name enthält die Wurzel "nur", was Stein oder Fels bedeutet und in vielen sardischen Ortsnamen vorkommt. Das Gebiet war schon in vorgeschichtlicher Zeit, seit dem Neolithikum besiedelt. Verschiedene Dörfer aus jener Zeit befinden sich im Gebiet von Nurachi: "Mare e Pauli", "Paule e Fenu", "Cuccuru e Mari" und "Gribaia". An diesen Stätten wurden Pfeilspitzen und kleine Handbeile aus Obsidian, kleine Figuren aus Marmor, Terrakotta und anderen steinernen und irdenen Materialien gefunden, die alle auf die Kultur von San Michele (Ozieri-Kultur) und die Kultur von San Gimiliano bei Sestu zurückgehen. Die Besiedlung des Gebiets setzte sich mit der nuraghischen Bevölkerung fort, die den Nuraghen "Nuraci de Pische" errichtete, nach dem der Ort benannt ist und von dem heute nur noch wenige Spuren übrig bleiben. Mit Ankunft der Römer 238 v.Chr. war auch das Gebiet von Nurachi von der Kolonisierung betroffen. Reste einer Nekropole zeugen von einer starken Besiedlung in jener Periode. Es wurden verschiedene Lampen, Amphoren, Münzen, Tränenkrüge und Mahlsteine sowie ein Grabstein von erheblicher Bedeutung gefunden, der eine Darstellung von Reinigungswerkzeugen enthält. Im Mittelalter gehörte der Ort zum Verwaltungsbezirk Campidano Mayore im Judikat Arborea. 1410 ging er an das Marchesat Oristano über und fiel später, 1478, unter spanische Herrschaft. Derzeit hat der Ort 1600 Einwohner und eine hohe Zahl landwirtschaftlicher Betriebe. Es werden Getreide, Gemüse und Futterpflanzen angebaut. Auch Zitrusfruchthaine und Weinberge sind vorhanden. Große Bedeutung kommt zudem der Viehzucht zu, welche die Aufzucht von Schafen, Pferden, Geflügel, Rindern und Schweinen umfasst.

Im historischen Ortskern sind typische aus Lehmziegeln (sardisch: "ladiri") gebaute Häuser mit Innenhof zu sehen. Die Pfarrkirche ist San Giovanni Battista geweiht und liegt in der Ortsmitte. Bei den Restaurierungsarbeiten, die 1983 von der Oberintendantur Cagliari-Oristano durchgeführt wurden, kam unter dem Fußboden eine spätantike Kirche mit angeschlossener Taufquelle ans Licht. Diese Bauten wurden auf das 6. Jh. n.Chr. datiert. Die kleine Kulthalle, die unter dem Bodenbereich entdeckt wurde, hat einen Grundriss in Form des lateinischen Kreuzes und besteht aus einem einzigen Schiff mit Apsis und zwei quadratischen Räumen zu Seiten des Presbyteriums. In der Mitte des Baptisteriums wurde ein noch an seinem Ort befindliches rundes Becken gefunden, das innen vier kreuzförmig angeordnete Ausbuchtungen mit einer Stufe aufweist. Das weiß gekalkte Becken war mit einem Kanal versehen, über den das überschüssige Wasser abfließen konnte. Der Boden des Raumes bestand aus einer einfachen Kalkschicht. Über der spätantiken Kirche wurde eine romanische Kirchenhalle errichtet, die nach den vor Ort gefundenen Fragmenten zu urteilen ursprünglich einen Boden aus Ziegeln im Fischgrätmuster besaß. Rund um die Kirche erstreckte sich eine Nekropole mit Gräbern, die auf das 6.-7. nachchristliche Jahrhundert datiert werden können. Nurachi bewahrt Traditionen und historische Zeugnisse von großem Interesse, die bald im archäologischen und ethnografischen Museum "Peppetto Pau" gesammelt werden. Unter den lokalen Erzeugnissen ist die Vernaccia hervorzuheben, ein geschätzter Weißwein, der im ganzen Tirso-Tal hergestellt wird.