Cavalcata Sarda, das Fest der vielen Schätze

Amazzoni alla Cavalcata Sarda

Cavalcata Sarda, das Fest der vielen Schätze

Farben und Klänge der Insel. Im Mai zeigt sich Sardinien bei einem profanen Fest von seiner authentischen, traditionsreichen Seite: Sassari, „die gute Stube“ Nordsardiniens, steht im Mittelpunkt der sardischen Bevölkerung
tiefes, authentisches Gemeinschaftsgefühl

Die Tenorsänger im Gleichklang mit dem Hufschlag der Pferde. Reiter und Reiterinnen huldigen den Zuschauern und anwesenden Würdenträgern mit Brot, Süßwaren und Frühobst. Hufe im Trab messen sich bei den verwegenen Pariglie: Vorbei rasen die Reiter von Sedilo und die Sartiglieri von Oristano. Die Mamuthones von Mamoiada und die Boes und Merdules von Ottana ziehen mit ihren grotesken, geheimnisvollen Masken Blicke und Fotokameras auf sich. Die Launeddas aus Sarrabus bilden den Rahmen des Umzugs und abendlichen Ausklangs der Feierlichkeiten. Klänge und Farben, Musik und Tanz, Schmuck und Tracht, das ist die Quintessenz der Cavalcata Sarda von Sassari, bei der Jahr jährlich am vorletzten Sonntag im Mai alle Gemeinden der Insel ihre ganz besonderen Charakterzüge und Eigenheiten zur Schau stellen. Ein unvergessliches Spektakel voller Pracht und Prunk, ein großes Frühlingsfest und die größte profane Veranstaltung Sardiniens.

Donne in abito tradizionale
Cavalcata sarda - Sassari
Abito tradizionale - Desulo
ein Umzug mit dreitausend traditionellen Trachten und hunderten Reitern und Reiterinnen

Eine einzigartige, unvergessliche Atmosphäre. Die Hauptattraktion ist der Umzug am Sonntagmorgen auf einer zwei Kilometer langen Strecke durch die Straßen der Altstadt von Sassari. Zu Fuß und auf den Traccas, den von Ochsen gezogenen, blumengeschmückten Karren, ziehen Gruppen aus ganz Sardinien vorbei. Alle tragen die typische traditionelle Tracht ihres Herkunftsortes, die meist mit hübsche Stickereien und Filigranschmuck aus Gold und Silber zieren. Dem folgt ein prächtiger Umzug von über 300 Reitern. Am Nachmittag stehen die Pariglie im Mittelpunkt des Geschehens, Reiterturniere, bei denen die mutigsten Reiter auf der Pferderennbahn der Stadt spektakuläre, akrobatische Kunststücke auf laufenden Pferden vorführen. Am Abend stehen auf der Piazza d’Italia bis in die Nacht traditionelle Gesänge und Tänze zum Klang der Launeddas, Gesang mit Tenores und Ziehharmonika auf dem Programm.

Cavalcata sarda
Gioielli in filigrana - Campidano
dem liegen Stolz und die Leidenschaft des alten Adels von Sassari zugrunde

Der typisch profane, mitreißende Charakter dieses Volksfestes aus dem auslaufenden 19. Jahrhundert konnte bis heute seinen ursprünglichen Reiz bewahren. Nach dem sardischen Schriftsteller Enrico Costa Secondo fand die erste Cavalcata im Jahr 1711 statt, als der Gemeinderat, gegen Ende der spanischen Herrschaft, befahl, dem spanischen König Philipp V. zu huldigen. Der gesamte stolze Adel von Sassari war vertreten. Die Veranstaltung, wie sie heute zu sehen ist, wurde offiziell 1899 anlässlich des Besuchs von König Umberto I. und seiner Gemahlin Margherita von Savoyen ins Leben gerufen, die zur Einweihung der Statue von Viktor Emanuel II. in die Stadt gekommen waren. Es nahmen 3000 Personen in Trachtenkleidung teil, die alle aus der Provinz Sassari kamen. Auch bei den Festlichkeiten von 1929 und 1939 waren Würdenträger des Königshauses zugegen. In den letzten Jahren zählte allein der Trachtenumzug 3000 Personen.

Piazza d'Italia - Sassari
Suonatori di Launeddas
tavolara_cavalcata_sarda_1940
der Zauber seit jeher unveränderter Bräuche, die aber bis heute ihren Reiz nicht verloren haben

Der Brauch hat sich im Lauf der Jahrzehnte zunehmend gefestigt, wurde ein folkloristischer Umzug einer reichen Vielfalt von Trachten aus ganz Sardinien, bis es schließlich jedes Jahr begangen wurde. Ein unverfälschter, stolzer Ausdruck der sardischen Kultur, eine Aufforderung, diesen einzigartigen Bund starken Gemeinschaftsgefühls, dem typischen Charakterzug Sardiniens, und seiner Natur-, Kultur, Handwerks- und Gastronomieschätze zu entdecken. Sie werden den Zauber eines Brauchtums hautnah erleben, das sich zwar immer in gleicher Weise wiederholt, aber jedes Mal aufs Neue fasziniert. In den Straßen hallen die Klänge alter Musik wider, Hauptdarsteller und Schauspieler tauchen in ein Spektakel ein, das ein lebendiges Museum scheint, in dem Frauen, Männer und Kinder mit traditionellen Kostümen, Miedern, Röcken, Kopfbedeckungen mit Schleiern und den typisch sardischen Kappen Berritte vorbeiziehen.