Heiligtum von Santa Vittoria
Im Süden von einem Abgrund und im Norden von einer Felswand geschützt, erstreckt sich das Heiligtum von Santa Vittoria in der Giara di Serri mit verschiedenen Spuren der Vergangenheit auf drei Hektar aus. Es ist ein beeindruckender Ort, wo man die Entwicklung nuraghischen Zivilisation in der Bronzezeit und bis zu den Anfängen der Eisenzeit, von den Korridornuraghen (1500 v. Chr.) über die des ‚klassischen‘ Typs (14. - 12. Jh. v. Chr.) bis zum Zeitpunkt, da der Bezirk zum Symbol der Religiosität und des kulturellen Schnittpunkts aller sardischen Stämme und nicht nur, wurde: Etruskische, phönizische, zyprische, in den Ausgrabungen gefundene Gegenstände bezeugen den Austausch mit entfernten Völkern.
Es sind vier Gruppen von Gebäuden auszumachen. Die erste ist der heilige Bezirk, bestehend aus dem, dem Wasserkult gewidmeten Brunnentempel: Es ist das Hauptgebäude, das sorgfältig aus bearbeiteten Basaltblöcken errichtet worden ist. Eine Vorhalle mit Fußboden, Sitzbank und Altar und eine Stufentreppe führen zum Brunnen. Daneben der ‚Hypäthral-Tempel‘ mit zwei Altären, den man über eine ‚Via Sacra‘ (heilige Straße) betrat. Von hier führt ein Weg zur ‚Hütte des Priesters‘, während nördlich davon die des ‚Oberhaupts‘ mit Vorhalle, Sitzbänken und Zimmer zu finden ist. Ein weiterer archäologischer Kern ist der ‚Bezirk der Feiern‘, ein gesellschaftlicher und geschäftlicher Bereich für Feste, Geschäfte und Aufenthalt der ‚Fremden‘, wo Bogengänge, Räume mit Verkaufsbänken und Sitzbänken, Gemeinschafts-Küche, ‚Bezirk der Gießer‘ und der ‚Markt‘, d.h., neun Räume mit Sitzen und Auslagen für die Waren.
Eine dritte Gebäudegruppe ist die der Hütten, darunter die des ‘doppelten Menhirs‘ – von dem darin gefundenen heiligen Manufakt – und der Häuser der ‚Feuerstelle‘ und des ‚Wächters‘. ZU guter Letzt stößt man auf eine vierte Anlage, aus der der ‚Bezirk der Hinrichtungen‘ und die ‚Kurie‘ mit etwa 50 Sitzplätzen herausragen: Hier versammelten sich wahrscheinlich in einer Bundesversammlung die unterschiedlichen Oberhäupter der verschiedenen Nuraghevölker Mittelsardiniens: Nachbildungen von Nuraghen-Altären, Stierkopf-Figuren, Waffenfragmente, Armreifen, Ringe, Äxte, Keramikgegenstände und vor allem kleine Bronzefiguren (ex Voto) menschlicher Gestalt und Tiere und Transportmittel. Das ‚Bundes‘-Heiligtum wurde auch punisch-römischer Zeit genutzt. Die Heiligkeit zog sich bis in die byzantinische Periode hinein: Dort entstand die Kirche Santa Maria della Vittoria, später im 11.-12. Jh. neu errichtet: Es handelt sich um den christlichen Wallfahrtsort, der der archäologischen Stätte den Namen verliehen hat.
San Teodoro
La Cinta, ein schmaler, langer goldgelber Sandstrand umspült von tiefblauem, kristallklarem Meer, Cala Brandinchi, ein weißer Küstenstreifen und Wasser wie es sonst nur in Tropenparadiesen zu finden ist, der nicht umsonst auf Tahiti umgetauft wurde, Lu Impostu, seine natürliche Fortsetzung, die wunderschöne Marina di Puntaldìa mit ihrem modernen Touristenhafen und das karibische Szenarium von S’Isuledda. Das sind die typischen Strände von San Teodoro, ein berühmtes Touristenzentrum, das sich wegen seiner regen Sommermovida vor allem bei jungen Leuten besonderer Beliebtheit erfreut und auch andere renommierte Küstenperlen zu bieten hat: Auslassen darf man bei einem Besuch auf keinen Fall Cala Ginepro, eine nach mediterraner Macchia duftende Bucht, den Strand Coda Cavallo, der einen atemberaubenden Blick auf die prachtvolle Insel Tavolara bietet, und ihr Meeresschutzgebiet Cala Ghjlgolu. Hier besticht vor allem ein von Wind und Meer modellierter Felsen, dessen Form an eine Schildkröte erinnert und der ein vor allem bei Kindern besonders beliebtestes Naturschauspiel ist. Weniger berühmt, aber ebenso schön sind: Baia Salinedda, Cala d’Ambra, Cala Suaraccia, Li Corri di Li Becchi, Li Marini und Seghefusti. Abgerundet wird dieses spektakuläre Szenarium von den hinter den Stränden gelegenen Lagune San Teodoro, wo sich in der Migrationszeit gerne die rosa Flamingos niederlassen und der Stelzenläufer beheimatet ist. Der ideale Ort für Spaziergänge und Birdwatching.
Die Ortschaft ist in der Gallura unter dem Namen Santu Diàdoru bekannt und hat etwas weniger als 5.000 Einwohner im Winter, wird aber in den Sommermonaten von zehntausenden Touristen belebt. Der Ort entstand im 17.Jh. im unmittelbaren Hinterland an den Osthängen des Bergmassivs Nieddu, als Schäfer und Fischer hier dieses herrliche Stück Land besiedelten, wo es jedoch schon seit urgeschichtlicher Zeit Niederlassungen gab. Eindeutiger Beweis dafür ist die Nuraghe des Dorfes Naracheddu. Auch in römischer Zeit gab es hier bewohntes Gebiet: entsprechende archäologische Funde sind im Meeresmuseum dokumentiert.
Pflichttermine sind das dem heiligen Schutzpatron Theodor gewidmete Fest, dessen Kirche Mitte des 20.Jh. rekonstruiert wurde, und das Fest des Hl. Andreas, das im Ortsteil Montipitrosu begangen wird. Besonders beeindruckend sind die Fuochi di Sant’Antonio Abate, das so genannte Fest Lu Fuculoni, bei dem sich die Bewohner zu Ehren des Heiligen um Lagerfeuer sammeln. San Teodoro ist aber auch ein Ort der Gaumenfreuden: Im Mai ist Aglióla die beste Gelegenheit, um typische Gerichte zu kosten. Die örtliche Küche wird Sie vor allem mit ihrer „Zuppa gallurese“ für sich einnehmen, die mit Brot, Käse und Rindssuppe zubereitet wird. Bei den Süßspeisen sollten Sie sich von dem typischen kleinen Honiggebäck Cucciuléddi milàti, den kleinen Krapfen Frisjióli léti und Niuléddha verführen lassen, einem Keks mit Mandeln und geriebener Orange. Besonders gut passt dazu ein Glas Vermentino di Gallura.
Nationalpark des La-Maddalena-Archipels
Die Inselgruppe La Maddalena besteht aus 60 kleineren und größeren Inseln vor der Nordostküste Sardiniens. der Nationalpark wurde als erster Sardiniens 1996 eingerichtet. Die Inseln bestehen aus Granit und Schiefer und sind geologisch und meereskundlich sehr interessant, unter anderem auch, weil sie im Laufe der Jahrtausende kaum von Menschen besiedelt waren. Der Park hat eine Ausdehnung von 50 Quadratkilometern und besitzt 180 Kilometer Küste. Außer der einzigen seit 1770 durchgehend bewohnten Insel Maddalena ist Caprera zu erwähnen, die durch die Brücke des Passo della Moneta erreichbar ist, außerdem Budelli, Razzoli und Santa Maria im Norden und Spargi im Süden. Die Inseln sind verschieden groß und geologisch sehr alt. Auf Santo Stefano wurden Spuren einer neusteinzeitlichen Siedlung gefunden (2500-2000 v.Chr.). Die Inseln können auf Ausflugsbooten fast das ganze Jahr über besichtigt werden. Von dem Städtchen La Maddalena mit seinen hohen Befestigungsanlagen kann man die gesamte Inselgruppe überschauen. La Maddalena war lange italienischer Marinestützpunkt und die Bevölkerung hat mit Italienern und Amerikanern zusammen gelebt. Die strategische Lage im Mittelmeer erregte auch das Interesse Napoleon Bonapartes und General Nelsons. Auch Giuseppe Garibaldi ist hier gelandet. Der „Held der beiden Welten lebte dann bis zu seinem Tod 1882 auf Caprera.
Der Besuch der größeren Inseln La Maddalena und Caprera ist mit dem Auto möglich. noch beliebter aber ist es, sich ein Boot zu mieten, und die herrlichen Küsten und Meeresgebiete vom Wasser aus zu genießen. In Palau, Santa Teresa di Gallura und La Maddalena kann man größere und kleinere Boote mieten. Außerdem hat man die Möglichkeit, archäologische Unterwasserausflüge zu unternehmen. Es gibt auch ein Zentrum für Umwelterziehung mit didaktischen Programmen für Schulen und Sitz in Stagnali, auf Caprera. Außerdem gibt es ein bedeutendes Mineralologisches Museum, ein Delfinforschungszentrum und ein Meeresmuseum. Das Compendio Garibaldino liegt ebenfalls auf Caprera, während das Schiffsmuseum Nino Lamboglia auf La Maddalena zu besichtigen ist.
Goni
Goni wird von den mit Eichen bewachsenen Landschaften von Gerrei umgeben, die vom Tal des Flusses Flumendosa durchschnitten werden, der zwischen bergigen Ufern fließt. Eine faszinierende Landschaft mit bedeutenden archäologischen Stätten.
Die Nekropole von Pranu Mutteddu ist von einem dichten Korkeichenwald umgeben. Sie besteht aus Hypogäen-Gräbern, Domus de Janas, megalithischen Kreisen und Menhiren, mysteriösen aufrecht stehenden Steinen mit anthropomorphen Formen, die in Gruppen oder in verschiedenen Anordnungen aufgereiht sind. Eine dieser Ausrichtungen besteht aus 20 perdas fittas, die von Ost nach West ausgerichtet sind und dem Lauf der Sonne folge
Das Dorf Goni ist ein ideales Ziel, um die natürlichen und archäologischen Schönheiten des Gerrei zu entdecken, von der dichten mediterranen Macchia, die das Gebiet bedeckt, bis hin zur megalithischen Nekropole von Pranu Mutteddu. 500 m vom Dorf entfernt, in der Ortschaft Peinconi, befindet sich eine Fossilienfundstelle, die Craptolithen bewahrt, ein seltenes Fossil aus dem Paläozoikum, das in den Sedimentschichten aus schwarzem Schiefer enthalten ist, die hier an die Oberfläche treten. Goni ist auch ein wichtiges Zentrum des Kork- und Korbflechterhandwerks. Am 25. Juli feiert Goni das Fest seines Schutzheiligen San Giacomo Maggiore: Eine feierliche Prozession zieht durch die Straßen des Dorfes, bei der die Statue des Heiligen auf einem von Ochsen gezogenen Wagen transportiert wird. Die religiösen Riten werden von zivilen Festen begleitet, bei denen auf dem Dorfplatz getanzt wird, moderne Musik gespielt wird und eine pyrotechnische Show stattfindet.
Sanluri
Das Dorf Sanluri, dessen Gebiet sich vom Campidano bis zur Marmilla erstreckt, liegt auf halbem Weg zwischen Cagliari und Oristano . Zusammen mit Villacidro ist es heute die Hauptstadt der neuen Provinz Medio Campidano. Aufgrund seiner Lage spielte Sanluri schon immer eine strategische Rolle, nicht nur in Bezug auf die Kommunikation, sondern auch auf politischer und militärischer Ebene . außerdem ist die Landschaft um das Dorf herum sehr fruchtbar. Aus all diesen Gründen wurde Sanluri ab ca. 1300 zur Verteidigung des Judicat d'Arborea befestigt. Die Umgebung war bereits in der Nuraghenzeit bewohnt, doch eine echte städtische Siedlung und ein Tempel wurden wahrscheinlich in der Römerzeit errichtet. Später entwickelte sich die Siedlung innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer, während außerhalb ein Netz von Straßen angelegt wurde, allerdings von einer besonderen Art, da sie sich fächerförmig von der Stadtmauer nach außen öffneten. Der Ursprung des Namens Sanluri ist umstritten, obwohl die wahrscheinlichste Hypothese lautet, dass das sardische Wort Seddori mit dem Weizenanbau in Verbindung gebracht werden kann, der in der Umgebung weit verbreitet war. Da lori ' Weizen ' bedeutet, könnte der Name Sellori, der in Archivdokumenten auftaucht, eine Abkürzung von su logu de su lori sein, d. h. „das Gebiet des Weizens“.
Das wichtigste Bauwerk ist zweifellos das nach Eleonora d'Arborea benannte Schloss, das wahrscheinlich zwischen dem 13. und dem frühen 14. Jahrhundert erbaut und später (Mitte des 14. Jahrhunderts) erweitert wurde. Es ist das einzige Bauwerk aus dem Mittelalter, das heute noch bewohnt ist, da nach einigen Restaurierungsarbeiten das Renaissancemuseum ' Duca d'Aosta ' hier eingerichtet wurde. Aber auch das ethnografische Museum der Cappuccini ist durchaus sehenswert, ebenso wie die Pfarrkirche Nostra Signora delle Grazie (14. Jh.) und einige andere Kirchen wie die Kirchen S. Pietro, S. Lorenzo und S. Pietro. Martino. Außerdem ist Sanluri für sein Civraxu berühmt, das ein hervorragendes Hartweizenbrot ist.
Tempio Pausania
Das Gemeindegebiet ist übersät mit Monumenten aus der Nuraghenzeit, wie den Nuraghen Monti Pinna, Tanca Manna, Izzana, Culbinu, Agnu und Majori, in denen Fundstücke aus Feuerstein und Obsidian gefunden wurden. Tempio Pausania, das sich durch seine Gebäude aus Granitblöcken auszeichnet, die denen der Dörfer im Süden Korsikas sehr ähnlich sind, ist auch für seine Weinberge bekannt, die sehr gute Exportweine wie Vermentino und Moscato hervorbringen. Außerdem haben die oligomineralischen Wasserquellen von Rinaggiu am Fuße des Monte Limbara eine bekannte therapeutische Wirkung. Schließlich ist auch Tempio Pausania für seine Thermalquellen berühmt.
Die wunderschöne Landkirche San Lorenzo auf dem gleichnamigen Hügel stammt aus dem 18. Jh. und beherbergt eine Statue, die den Heiligen auf dem Grill darstellt. Das ihm gewidmete Fest findet am 10. August statt. Das historische Museum der Korkmaschinen, in dem Maschinen und Werkzeuge zur Korkverarbeitung ausgestellt sind, ist sowohl aus handwerklicher als auch aus industrieller Sicht interessant. Außerdem sind im Museum Templense Kultgegenstände (Silbermünzen und Möbel) sowie Gemälde aus der Kathedrale San Pietro Apostolo ausgestellt. Schließlich kann man (nur nach vorheriger Anmeldung) die private ornithologische Sammlung von General Francesco Stazza besichtigen.
Während des Jahres zieht die Stadt zahlreiche Touristen zum Carrasciali Timpiesu, dem Karneval von Tempio an: Das Fest geht wahrscheinlich auf die vorromanische Zeit zurück, da die Figur Giorgio auftaucht, eine Gottheit, der zum Dank für erhaltene Hilfe Opfer dargebracht wurden. Heute wird seine Königliche Hoheit, der König Giorgio als Pappfigur dargestellt und ist Symbol für alle Leiden der Stadt und des Lebens. Sechs Tage wird seine Königliche Hoheit umjubelt, verehrt und man schmeichelt ihm, aber am Faschingsdienstag wird dem König, der an allem schuldig ist, der Prozess gemacht und er wird öffentlich verbrannt.
Damit wiederholt sich der antike Ritus des Feuers, das das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings ankündigt. Zu den alten Karnevalstraditionen von Tempio gehört auch Lu Palu di la Frisgjola, ein Pferderennen, bei dem die Reiter im Galopp eine fritella, das typische sardische Karnevalsgebäck nehmen müssen, das ein maskiertes Mädchen auf einem Balkon hält. Wenn es dem Reiter gelingt, darf er den Abend mit dem Mädchen verbringen.
Samassi
Interessant ist der alte Teil des Dorfes mit den Kirchen San Geminiano, Beata Vergine di Monserrato, Santa Margherita, Sant'Isidoro und San Giuseppe und einer Reihe von typischen Häusern im Stil des Campidano. Die Struktur der traditionellen Häuser, die auch heute zwar mit leichten Veränderungen wieder auftaucht, ist das Muster der Häuser des Campidano mit einem großen Eingangsportal, das vom Wohngebäude durch einen geräumigen Innenhof (sa pratza) getrennt ist.
An der Außenmauer sind die Lagerräume für die Ernte, is dommus und die Räume für die Geräte und die Tiere, außerdem sa lolla, eine Art Patio, wo die haus- und landwirtschaftlichen Tätigkeiten verrichtet und Früchte getrocknet wurden. Es handelte sich zum großen Teil um Häuser der Bauern, die so gebaut waren, dass alle Arbeiten, die mit der Bearbeitung der Felder und der Ernte in Verbindung standen, verrrichtet werden konnten. In den 80er Jahren ist Samassi für sein Nachtleben bekannt geworden.
Burg von Marmilla und MudA-Museum
Ebenso wie die Burg von Monreale von Sardara und der Arcuentu von Guspini gehörte auch sie zur Bastion des Verteidigungsgürtels des Judikats von Arborea und spielte eine wichtige Rolle im Krieg gegen die Krone von Aragonien. Es wird erzählt, dass hier zuerst der Richter Mariano IV. und dann (vermutlich) seine Tochter, die legendäre Richterin Eleonora, verweilten, die Mitverfasser des sardischen Gesetzbuches Carta de Logu waren. Die Burg von Marmilla ist eine Militärfestung aus der Zeit der Judikate, deren Ruinen sich im Gebiet von Las Plassas auf der Spitze eines 270 m hohen, perfekt kegel- und mamillarförmigen Hügels erheben, von dem sich der Name Marmilla ableitet, der seit jeher fruchtbares „Weizenland“ ist. Die Burg wurde erstmals urkundlich in einem Dokument aus dem Jahr 1172 erwähnt, dem Jahr, in dem sie von den Arborensern an die Republik Genua abgetreten wurde. Ihr Ursprung geht jedoch noch weiter zurück und zwar bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts. Sie stand im Mittelpunkt des Mittelalters auf der Insel und war lange Zeit umstritten: Nach der Schlacht von Sanluri (1409) ging sie in das aragonische Herrschaftsgebiet über und bewahrte ein Jahrhundert lang ihre Verteidigungsfunktion. Einige ihrer Räume, die noch während der Feudalzeit in Verwendung waren, dienten bis ins 19. Jahrhundert als Gefängnis.
Die Festung, die auf einem mit quadratischen Sandsteinblöcken „aufbereiteten“ Felssockel errichtet wurde, hat unregelmäßigen sechseckigen Grundriss und nimmt den gesamten Gipfel des Hügels ein (550 Quadratmeter). Sie wurde mehrmals renoviert: Der wichtigste Eingriff geht auf den Richter Mariano II. Ende des 13. Jahrhunderts zurück. 2001 wurde sie einer Untermauerung unterzogen: Heute sind der fast unversehrte Hauptturm sowie die Umfassungs- und Innenmauern und eine große, in den Fels gehauene Zisterne zu sehen, die ebenso wie eine Zisterne außerhalb der Mauern die Wasserversorgung sicherstellte. Auch die Verteilung der Räume ist beachtlich: Garnisonsquartiere, Lager, Getreidespeicher, Waffenkammer und Wachhaus. Bei den Ausgrabungen wurden Teile der architektonischen Ausstattung, edle Keramik (13. bis 16. Jahrhundert), Reste eines Mühlsteins, Waffenfragmente, Glas und Essensreste entdeckt.
Die Funde sind im Burgmuseum MudA ausgestellt, das in einem campidanischen Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert in Las Plassas untergebracht ist. Mit einer anderthalbstündigen multimedialen Führung, die mit einem Film über den Besuch von Mariano IV. auf der Burg endet, wird im Museum vom täglichen Leben der Garnisonen auf der Burg und ganz allgemein vom mittelalterlichen Leben auf Sardinien erzählt. Auf Schautafeln werden auch Kleidung, Kochkunst, Werkzeuge und agropastorale Erzeugnisse gezeigt. Ein Teil des Museums ist den ältesten Besiedlungen dieses Gebiets gewidmet: Von großem Interesse ist eine lateinische Inschrift aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., in der die lokale Bevölkerung der Uneritani Jupiter Optimus Maximus einen Tempel widmeten.
Tuili
Tuili ist ein kleines Dorf auf Sardinien, das am Fuß der Hochebene der Giara in der Marmilla liegt. Das Gemeindegebiet von Tuili war bereits in vornuraghischer Zeit besiedelt. Die Anwesenheit des Menschen ist durch viele Funde am Rand der Hochebene und in der Umgebung belegt, die heute im Archäologischen Museum in Cagliari aufbewahrt werden. In Santa Elisa existierte zudem eine Werkstatt zur Bearbeitung des Obsidians. Auf der Giara, im Gebiet Nuridda, wurden auch Siedlungsreste aus phönizisch-punischer Zeit entdeckt, während in Santa Elisabetta Ruinen einer römischen Siedlung zu sehen sind. Im Unterschied zu den Nachbarsorten lässt sich in Tuili ein deutlicher Unterschied zwischen den Häusern der reichen Grundbesitzer, dem Haus mit Hof und dem bescheidenen Bauernhaus feststellen. Die Herrenhäuser, die häufig altspanischen Adelsfamilien gehörten, weisen zwar typische Baumerkmale der Gegend auf, sind aber im Detail auf eine Weise gepflegt, die den sozialen Status der Einwohner hervorhebt.
Zu besichtigen sind die im spanischen Stil errichtete Kirche Sant'Antonio, die von einer großen Mauereinfassung umgeben ist, die Pfarrkirche S.Pietro und die eleganten klassizistischen Gebäude wie die von Gaetano Cima entworfene Villa Pitzalis und die Villa Asquer. In der Pfarrkirche San Pietro Apostolo ist das bekannte Retabel des Meisters von Castalsardo zu bewundern. Vom Ort aus werden Führungen im Park der Giara di Gesturi angeboten. Nicht zuletzt ist in Tuili der interessante Themenpark Sardegna in miniatura (Sardinien im Kleinformat) zu sehen
Oase von Tepilora
Der Mensch hat es geschützt, begrünt und nutzbar gemacht. Inbegriff des Regionalparks der Oase von Tepilora ist dessen Geschichte, die vom großen Respekt vor der Natur geprägt ist. Er ist zwar noch sehr jung (er wurde 2014 gegründet), hat aber eine lange Entstehungsgeschichte vorzuweisen. Und vor allem mit hohem landschaftlichen sowie historisch-kulturellem Wert: Fast achttausend Hektar unberührte Wälder, Wege, Quellen, Flüsse und „Dünen“ im Gebiet von Bitti, Lodè, Posada und Torpè. 2017 wurde er von der Unesco zum „Biosphärenreservat“ erklärt, d. h. zu einem Ort, der sich durch ökologische Nachhaltigkeit und Artenvielfalt auszeichnet.
Die beiden Hauptgebiete, Tepilora und Crastazza, wurden zwischen 1980 und 1986 mit Nadelbäumen aufgeforstet. Das gesamte Gebiet wurde mit Infrastrukturen und Serviceleistungen versehen, so dass die neue Vegetation die ursprüngliche mediterrane Vegetation ergänzte. In dieser blühenden Landschaft haben zahlreiche Tierarten Zuflucht gefunden: Wildschweine, sardische Hasen, Füchse und Exemplare von Damwild und Mufflons.
Der Park erstreckt sich von den Wäldern von Tepilora bis zur Mündung des Rio Posada, der Berg und Meer verbindet. Sein Delta mit Mäandern, Schleifen und fossilen Mündungen ist das Ergebnis jahrtausendelanger Evolution. Schilf, Tamarisken und Binsen bieten Kormoranen, Seidenreihern, Reihern, Flamingos, Stelzenläufern und sogar Purpurhühnern optimale Nistbedingungen. Der Posada gabelt sich und einer der Zweige mündet in den Longu-Weiher, ein idealer Ort für Kajakausflüge.
Der Monte Tepilora ist das Wahrzeichen des Parks: eine dreieckige Felsspitze, die sich vor dem Hintergrund der seit 1914 geschützten Waldgebiete von Crastazza und dem Wald von Sos Littos abhebt. Typisch für diese Wildnis ist der Steinadler. Weiter geht es auf den Montalbo, wo ein dichtes Netz von Wegen durch das Grün führt, während auf dem Gipfel eine Mondwüste zu finden ist; zum Maccheronis-Stausee, der bestens für Fahrradtouren geeignet ist und moderne Radwege bietet; und schließlich zum Usinavà-Wald, den Felsen prägen, die die Zeit zu Tiergestalten geformt hat.