Nuraghe Santu Antine
Dieses architektonische Juwel ist das eindrucksvollste im Tal der Nuraghen, einem der Gebiete mit der höchsten Dichte an prähistorischen Gebäuden auf Sardinien. Die Santu Antine in der Mitte der Ebene von Cabu Abbas, im Gebiet von Torralba wurde zwischen der mittleren Bronzezeit (16. Jh.) und der Eisenzeit (9. Jh. v. Chr.) errichtet. Ihre imposante Masse besteht aus kolossalen Basaltblöcken, die perfekt geformt sind und zur Spitze immer kleiner werden. Sie wurde völlig aus Trockenmauern errichtet. Ihr zentraler Turm ist 17 m hoch und hat einen Durchmesser von 15 m. Ursprünglich bestand sie aus drei Etagen und wird durch eine Dreipass-Bastion (mit drei Türmen) geschützt. Der Eingang führt in einen Gang, von dem ein Korridor wegführt, der rund um den Raum verläuft und über neun in regelmäßigen Abständen angebrachte Schlitze erhellt wird. Entlang des Korridors gelangt man in die Innenräume. Man hat den Eindruck, dass die großen Felsblöcke, aus denen das Bauwerk besteht, jeden Moment einstürzen könnten. Das ist aber nicht so! Dank der meisterhaften Baukunst des Nuraghenvolkes haben sie auf diese Weise Jahrtausende überdauert. Eine durch Schlitze beleuchtete Wendeltreppe führt hinauf zu den beiden Räumen im ersten und zweiten Stock, von denen der erste mit einer Sitzbank und zwei Nischen ausgestattet ist. Ursprünglich führte eine letzte Rampe auf die Terrasse. Die quadratische Bastion mit einer Seitenlänge von 40 m umschließt an der Vorderseite zwei Türme und dahinter einen dritten. Alle drei sind kreisförmig und haben einen Durchmesser von ca. 6 m. Sie sind mit Schlitzen versehen und über lange Tunnel durch kurze Bogengänge mit dem Hof und dem hinteren Turm verbunden.
Vor dem Bastion lagen 14 Rundhütten, in denen die Dorfbevölkerung lebte. Einige von ihnen erhalten Sitze, Kamine, Trennwände, Nischen und Schränke, die auf ihre Funktion hinweisen. Vor dem Eingang der Nuraghe befindet sich die „Versammlungshütte“ mit einer Sitzgelegenheit und einer Feuerstelle. Jenseits des Westturms ist eine große Hütte mit Innenräumen erkennbar, die durch Steinplatten abgegrenzt sind. Davor wurde ein Lager mit bronzenen „Broten“ gefunden, die heute im Museum Sanna in Sassari ausgestellt sind. In einigen Hütten wurden Spuren aus der römischen Zeit gefunden, die davon zeugen, dass die Strukturen weit über die Nuraghenzeit hinaus, zwischen dem 1. Jh. v. Chr. und dem 4. Jh. n. Chr., genutzt wurden. Dort können die Funde aus den Ausgrabungen in Torralba im Museum des Tals der Nuraghen besichtigt werden. In einem Gebiet des Logudoro-Meilogu wurden Siedlungsplätze aus der Jungsteinzeit gefunden, wie die Domus de Janas von Sant'Andrea Priu in Bonorva, von Moseddu und Tennero in Cheremule und die Grabstätte von Nughedu bei San Pietro di Sorres. Auf 37 km² tauchen etwa dreißig Nuraghen und zehn Gigantengräber auf.
Nationalpark des La-Maddalena-Archipels
Die Inselgruppe La Maddalena besteht aus 60 kleineren und größeren Inseln vor der Nordostküste Sardiniens. der Nationalpark wurde als erster Sardiniens 1996 eingerichtet. Die Inseln bestehen aus Granit und Schiefer und sind geologisch und meereskundlich sehr interessant, unter anderem auch, weil sie im Laufe der Jahrtausende kaum von Menschen besiedelt waren. Der Park hat eine Ausdehnung von 50 Quadratkilometern und besitzt 180 Kilometer Küste. Außer der einzigen seit 1770 durchgehend bewohnten Insel Maddalena ist Caprera zu erwähnen, die durch die Brücke des Passo della Moneta erreichbar ist, außerdem Budelli, Razzoli und Santa Maria im Norden und Spargi im Süden. Die Inseln sind verschieden groß und geologisch sehr alt. Auf Santo Stefano wurden Spuren einer neusteinzeitlichen Siedlung gefunden (2500-2000 v.Chr.). Die Inseln können auf Ausflugsbooten fast das ganze Jahr über besichtigt werden. Von dem Städtchen La Maddalena mit seinen hohen Befestigungsanlagen kann man die gesamte Inselgruppe überschauen. La Maddalena war lange italienischer Marinestützpunkt und die Bevölkerung hat mit Italienern und Amerikanern zusammen gelebt. Die strategische Lage im Mittelmeer erregte auch das Interesse Napoleon Bonapartes und General Nelsons. Auch Giuseppe Garibaldi ist hier gelandet. Der „Held der beiden Welten lebte dann bis zu seinem Tod 1882 auf Caprera.
Der Besuch der größeren Inseln La Maddalena und Caprera ist mit dem Auto möglich. noch beliebter aber ist es, sich ein Boot zu mieten, und die herrlichen Küsten und Meeresgebiete vom Wasser aus zu genießen. In Palau, Santa Teresa di Gallura und La Maddalena kann man größere und kleinere Boote mieten. Außerdem hat man die Möglichkeit, archäologische Unterwasserausflüge zu unternehmen. Es gibt auch ein Zentrum für Umwelterziehung mit didaktischen Programmen für Schulen und Sitz in Stagnali, auf Caprera. Außerdem gibt es ein bedeutendes Mineralologisches Museum, ein Delfinforschungszentrum und ein Meeresmuseum. Das Compendio Garibaldino liegt ebenfalls auf Caprera, während das Schiffsmuseum Nino Lamboglia auf La Maddalena zu besichtigen ist.
Regionalpark Porto Conte
Der regionale Naturschutzpark Porto Conte erstreckt sich in südöstlicher Richtung von der Calich-Lagune und reicht im Westen bis zur Küste. Dazu gehört das Monte Doglia Gebirge bis hin zum weiten Golf von Porto Conte, der im Schutze der Vorgebirge Punta Giglio und Monte Timidone-Capo Caccia liegt. Der Park umfasst nur das Land, während die Meeresgrotten von Capo Caccia zu dem gleichnamigen Meeresschutzgebiet gehören. In dem Park liegt der Staatswald 'Le Prigionette” der sich in der Gemeinde Alghero über 12 Kilometer erstreckt. Der Wald ist reich an international geschützten Tier- und Pflanzenarten. Im Park gibt es menschliche Spuren aus der Altsteinzeit (Grüne Grotte, 4. Jahrtausend v.Chr.), aus der Nuraghenzeit (Palmavera, Sant'Imbenia), Reste von altrömischen Herrschaftsvillen (Sant'Imbenia) und Küstenwachtürme aus spanischer Zeit. Die Pflanzenwelt ist auf den Vorgebirgen um Porto Conte gekennzeichnet von Macchia mit der stacheligen Centaurea horrida, einer nur in Sardinien und Korsika vorkommenden Pflanze und Zwergpalmen, der einzigen spontan wachsenden Palmenart im Mittelmeerraum. Der Meeresboden ist bedeckt von ausgedehnten Neptungras-Wiesen. das Neptungras ist eine sehr empfindliche Pflanzenart und stellt einen unersetzlichen Fortpflanzungsort für die marine Küstenfauna dar. Es gibt verschiedene Pinienarten, Erdbeerbäume, Strohblumen, Ginster und Wolfsmilchgewächse, die im Frühjahr den Park mit ihren Farben und Düften durchziehen. Die Tierwelt besteht aus 35 Säugetier- und 150 Vogelarten. Besonders wichtig sind die Vogelarten, die in den Klippen nisten. Nicht selten trifft man auf Sardische Hasen und Wiesel und es fehlt nicht an Perlhühnern, Turtel- und Ringeltauben und zahlreichen Vögeln aus der Familie der Sperlinge. Es wurden verschiedene Tierarten, die aus dieser Gegend verschwunden waren, wieder angesiedelt, wie Damwild, Giara-Pferde, Weiße Asinaraesel, Wildziegen und das allgegenwärtige Wildschwein. Das interessanteste Tier ist wohl der Gänsegeier, obwohl es auch andere Raubvögel, wie Habichte, Rötel-, Wander- und Turmfalken gibt. Nahe am Landschaftsschutzgebiet liegt das Meeresschutzgebiet von Capo Caccia. mit seinen Grotten stellt es das reichste Karstgebiet des Mittelmeerraumes dar. Besonders berühmt ist die Neptunsgrotte, die sich über 2500 Meter ausdehnt. in ihrem Inneren gibt es einen Salzsee mit kleinen Sandstränden, ein Werk der unermüdlichen Arbeit von Wasser und Wind.
Der Eintritt zum Park ist kostenlos. Einzelpersonen oder Gruppen bis zu 20 Personen benötigen keine vorherige Erlaubnis, sie müssen lediglich einen Ausweis am Eingang hinterlegen. Für größere Gruppen muss ein schriftlicher Antrag mit Nennung der Besucherzahl gestellt werden, auf dem auch eine Fax-Nummer angegeben ist.
Tempio Pausania
Das Gemeindegebiet ist übersät mit Monumenten aus der Nuraghenzeit, wie den Nuraghen Monti Pinna, Tanca Manna, Izzana, Culbinu, Agnu und Majori, in denen Fundstücke aus Feuerstein und Obsidian gefunden wurden. Tempio Pausania, das sich durch seine Gebäude aus Granitblöcken auszeichnet, die denen der Dörfer im Süden Korsikas sehr ähnlich sind, ist auch für seine Weinberge bekannt, die sehr gute Exportweine wie Vermentino und Moscato hervorbringen. Außerdem haben die oligomineralischen Wasserquellen von Rinaggiu am Fuße des Monte Limbara eine bekannte therapeutische Wirkung. Schließlich ist auch Tempio Pausania für seine Thermalquellen berühmt.
Die wunderschöne Landkirche San Lorenzo auf dem gleichnamigen Hügel stammt aus dem 18. Jh. und beherbergt eine Statue, die den Heiligen auf dem Grill darstellt. Das ihm gewidmete Fest findet am 10. August statt. Das historische Museum der Korkmaschinen, in dem Maschinen und Werkzeuge zur Korkverarbeitung ausgestellt sind, ist sowohl aus handwerklicher als auch aus industrieller Sicht interessant. Außerdem sind im Museum Templense Kultgegenstände (Silbermünzen und Möbel) sowie Gemälde aus der Kathedrale San Pietro Apostolo ausgestellt. Schließlich kann man (nur nach vorheriger Anmeldung) die private ornithologische Sammlung von General Francesco Stazza besichtigen.
Während des Jahres zieht die Stadt zahlreiche Touristen zum Carrasciali Timpiesu, dem Karneval von Tempio an: Das Fest geht wahrscheinlich auf die vorromanische Zeit zurück, da die Figur Giorgio auftaucht, eine Gottheit, der zum Dank für erhaltene Hilfe Opfer dargebracht wurden. Heute wird seine Königliche Hoheit, der König Giorgio als Pappfigur dargestellt und ist Symbol für alle Leiden der Stadt und des Lebens. Sechs Tage wird seine Königliche Hoheit umjubelt, verehrt und man schmeichelt ihm, aber am Faschingsdienstag wird dem König, der an allem schuldig ist, der Prozess gemacht und er wird öffentlich verbrannt.
Damit wiederholt sich der antike Ritus des Feuers, das das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings ankündigt. Zu den alten Karnevalstraditionen von Tempio gehört auch Lu Palu di la Frisgjola, ein Pferderennen, bei dem die Reiter im Galopp eine fritella, das typische sardische Karnevalsgebäck nehmen müssen, das ein maskiertes Mädchen auf einem Balkon hält. Wenn es dem Reiter gelingt, darf er den Abend mit dem Mädchen verbringen.
Turris Libisonis
Die antike römische Stadt Turris Libisonis, an der Mündung des Rio Mannu, mitten im Golf von Asinara, ist der Vorläufer des heutigen Porto Torres, das heute wie einst ein wichtiger Seehafen im Nordwesten Sardiniens ist. Seit prähistorischer Zeit war das Gebiet zwischen dem heutigen Bahnhof und dem Fluss ein privilegierter Ort für Wohnstätten und den Flusshafen: Zuerst gab es hier Nuraghen, später Stadtgebiete. Als römische Kolonie seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. war es das einzige unter den Besitztümern zwischen der Republik und dem Imperium, das von römischen Bürgern bewohnt war: Sie trug den Namen Iulia, der mit der Person von Caesar oder Oktavian verbunden war.
Während der langen römischen Herrschaft wurden in der Stadt verschiedene städtebauliche Erneuerungen, wie der Bau eines Straßennetzes, von drei Thermen, eines Aquädukts und der Ausbau des Hafens vorgenommen, der mit Ostia in Handelsbeziehungen stand. Zwischen dem Ende des 2. und dem 3. Jh. n. Chr. war die Kolonie nach Caralis die zweitgrößte in Bezug auf Einwohnerzahl, Pracht und Seeverkehr. Beeindrucken werden ob ihrer architektonischen Perfektion und ihres Reizes die Domus di Orfeo, die Pallottino-Therme (nach dem gleichnamigen Archäologen benannt) und die zentrale Therme in einem Gebiet, das als Palazzo di Re Barbaro bezeichnet wird und in dem noch große Säle mit Wannen und feinen Mosaiken erhalten sind. Die Bautätigkeit verstärkte sich zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr.: Bemerkenswert sind deren Entwicklung ebenso wie die Überreste von Marmordekorationen, Flachreliefs und Statuen. Im archäologischen Ausgrabungsgebiet finden sich Reste von in Blöcken gruppierten Wohnhäusern sowie Tabernae (Werkstätten). Die Gebäude sind von gepflasterten Straßen begrenzt und teilweise in das Antiquarium Turritano eingegliedert, ein Museum, das sich in einem Gebäude im Gelände unweit der Thermen befindet und in dem bei Ausgrabungen entdeckte Funde und Artefakte, wie Keramiken, Graburnen, Inschriften und Mosaike, aufbewahrt werden.
Rund um die antike Stadt sind weitläufige Nekropolen erhalten: Im Westen an einem Ufer des Rio Mannu, im Süden unter dem heutigen Stadtzentrum und im Osten an der Strandpromenade, darunter das Hypogäum von Tanca Borgona, die Grabkomplexe von Scogliolungo und San Gavino a mare sowie die Gräber von Balai. Die Gräber reichen von der frühen Kaiserzeit bis in die frühchristliche Epoche. Über den Fluss wiederum führt heute eine fast vollkommen intakte römische Brücke mit sieben eleganten Bögen, ein wirklich außergewöhnliches Bauwerk.
Oase von Tepilora
Der Mensch hat es geschützt, begrünt und nutzbar gemacht. Inbegriff des Regionalparks der Oase von Tepilora ist dessen Geschichte, die vom großen Respekt vor der Natur geprägt ist. Er ist zwar noch sehr jung (er wurde 2014 gegründet), hat aber eine lange Entstehungsgeschichte vorzuweisen. Und vor allem mit hohem landschaftlichen sowie historisch-kulturellem Wert: Fast achttausend Hektar unberührte Wälder, Wege, Quellen, Flüsse und „Dünen“ im Gebiet von Bitti, Lodè, Posada und Torpè. 2017 wurde er von der Unesco zum „Biosphärenreservat“ erklärt, d. h. zu einem Ort, der sich durch ökologische Nachhaltigkeit und Artenvielfalt auszeichnet.
Die beiden Hauptgebiete, Tepilora und Crastazza, wurden zwischen 1980 und 1986 mit Nadelbäumen aufgeforstet. Das gesamte Gebiet wurde mit Infrastrukturen und Serviceleistungen versehen, so dass die neue Vegetation die ursprüngliche mediterrane Vegetation ergänzte. In dieser blühenden Landschaft haben zahlreiche Tierarten Zuflucht gefunden: Wildschweine, sardische Hasen, Füchse und Exemplare von Damwild und Mufflons.
Der Park erstreckt sich von den Wäldern von Tepilora bis zur Mündung des Rio Posada, der Berg und Meer verbindet. Sein Delta mit Mäandern, Schleifen und fossilen Mündungen ist das Ergebnis jahrtausendelanger Evolution. Schilf, Tamarisken und Binsen bieten Kormoranen, Seidenreihern, Reihern, Flamingos, Stelzenläufern und sogar Purpurhühnern optimale Nistbedingungen. Der Posada gabelt sich und einer der Zweige mündet in den Longu-Weiher, ein idealer Ort für Kajakausflüge.
Der Monte Tepilora ist das Wahrzeichen des Parks: eine dreieckige Felsspitze, die sich vor dem Hintergrund der seit 1914 geschützten Waldgebiete von Crastazza und dem Wald von Sos Littos abhebt. Typisch für diese Wildnis ist der Steinadler. Weiter geht es auf den Montalbo, wo ein dichtes Netz von Wegen durch das Grün führt, während auf dem Gipfel eine Mondwüste zu finden ist; zum Maccheronis-Stausee, der bestens für Fahrradtouren geeignet ist und moderne Radwege bietet; und schließlich zum Usinavà-Wald, den Felsen prägen, die die Zeit zu Tiergestalten geformt hat.
Putifigari
Auf den ausgedehnten Flächen werden Rebstöcke angebaut, die der Umgebung von Putifigari ein unverwechselbares Gesicht geben und den bekannten Cannonau Wein liefern. Im Gebiet von Pagliaresu genießt man ein atemberaubendes Panorama mit einem Blick bis an das Vorgebirge von Capocaccia. Im Ortskern steht die Pfarrkirche Nostra Signora de S'Ena Frisca, die im 16. Jahrhundert erbaut wurde. Die Fassade besitzt mehrere Säulen, die dem Baustil der Klassik nachempfunden sind. das Innere der Kirche besteht aus einem Schiff mit jeweils vier Seitenkapellen. auf dem Altar steht die Statue der Heiligen, nach der die Kirche benannt ist und die gleichzeitig die Patronin des Dorfes ist.
Die Statue ist auch die Hauptfigur des Festes Nostra Signora de S'Ena Frisca, das alljährlich am dritten Maisonntag stattfindet. den Namen ("Nostra Signora vom frischen Wasser") erhielt sie vermutlich, nachdem in der Nähe der Statue eine Wasserquelle entdeckt worden war, die nicht weit vom Ort entfernt liegt. Zu den Feierlichkeiten gehören religiöse Riten und folkloristische Darbietungen. Beim Karneval im Februar werden auf dem Dorfplatz Tänze, Umzüge, Stände mit traditionellen Gerichten, frittiertem Gebäck und Dicken Bohnen veranstaltet. Im Juni feiert man das Fest von San Giovanni, bei dem sich religiöse Riten mit Gesangsvorstellungen und traditionellen Tänzen treffen. Die wichtigste musikalische Veranstaltung ist sicherlich das Akkordeon-Fest (Festival dell'organetto) mit Musikern aus ganz Sardinien.
Im Juli finden anlässlich des Schaf-Festes (Sagra della pecora) auch Veranstaltungen mit Vertretern aus den Bereichen Landwirtschaft und Viehhaltung sowie Degustationen typischer lokaler Erzeugnisse statt. Einen Monat später feiert man in Putifigari das Fest 'Sagra del mirto' mit verschiedenen ethnografischen Ausstellungen, in denen die bäuerlichen Kultur und das Leben auf dem Lande präsentiert werden. Im September können Sportfreunde an der Fahrradtour 'Pedalata Ecologica' teilnehmen und für Pilzliebhaber gibt es im November eine besondere Pilz-Ausstellung, die &bdquo.Mostra micologica del Capo di Sopra'. Am 25. Dezember werden zwischen Trockenmauern und Hütten Krippenspiele organisiert, die die Geburt Christi erzählen.
Padria
Die historische Bedeutung des Ortes wird durch verschiedene Baudenkmäler deutlich, darunter die Kirchen, das Städtische Archäologische Museum sowie durch mehrere gepflegte Bürgerhäuser, die die weiten Plätze im historischen Teil des Ortes umrahmen. Dieser alte Teil reicht vom Fuße der drei Hügel bis zum Dorfplatz und befindet sich auf den Ruinen der einst bedeutenden römischen Siedlung Gurulis Vetus. Hier liefen die Wegeverbindungen in Richtung des Hügels San Paolo zusammen, wo sich vermutlich eine Akropolis befand. Reich gestaltete Bürgerhäuser mit Verzierungen aus Trachyt- und Kalkstein stehen neben einfachen Gebäuden, die aus Rohziegeln und Vulkangestein gebaut sind oder einfach verputzt sind.
Einige Gebäude zeichnen sich durch Architraven aus Kalkstein aus, in die nach lokaler Bauweise Verzierungen und typische Motive in Verbindung mit der katalanischen Schule, die sogenannten picapedras, eingemeißelt sind. Im historischen Teil des Ort ist die schöne Pfarrkirche Santa Giulia Martire sehenswert. Sie stammt aus der Zeit der spanischen Herrschaft. Das Archäologische Museum stellt die Ergebnisse intensiver und ausgedehnter Ausgrabungsarbeiten aus, aber ebenso Schenkungen und Oberflächenfunde aus verschiedenen Ortschaften im Umkreis von Padria. Als Ort dient der frühere 'monte granitico', ein zentral gelegenes Gebäude neben der Kirche Santa Giulia. Die Ausstellung, zu der auch Materialien und Funde aus der Kirche Santa Giulia gehören, wird in chronologischer Reihenfolge und nach topografischen Kriterien präsentiert und ist didaktisch aufbereitet.
Monte Limbara
Durch Wasser- und Winderosion haben seine Granitmassen, im Laufe der Jahrtausende bizarre, beeindruckende Formen angenommen. Sie scheinen fast zu schweben, sind im Winter schneebedeckt und bestechen im Rest des Jahres durch ihre Vielfalt an Grüntönen. Der Monte Limbara ragt imposant im Nordosten der Insel empor und trug bereits in der Römerzeit den Spitznamen Limes Balares, weil er die Grenze zwischen der von den Korsen bewohnten Gallura und dem Monteacuto sowie dem Ostteil des Logudoro bildete, den das „romanisierte“ Volk der Balaren bewohnte. Das Gebiet des Massivs gehört zu vier Gemeinden: Die Nord- sowie Nordwesthänge gehören zu Tempio Pausania, der Ostteil zu Calangianus, der Südteil zu Berchidda und der Südwestteil zu Oschiri.
Die Grünfläche variiert je nach Höhe: Am Gipfel überwiegen Büsche, auf mittlerer bis niedriger Höhe ist der Berg von duftenden mediterranen Macchiasträuchern, wie Erdbeerstrauch, Erika, Steinlinde und Mastix in feuchten Gebieten sowie Zistrosen, Zwergwacholder und Ginster in trockenen Gebieten bewachsen. Trotz Brandschäden überwiegt in einigen Teilen noch die Steineiche, zu der sich im Tal gerne Ahorn, Stechpalmen, Eschen und (die in Sardinien eher seltenen) Eiben gesellen. In anderen Teilen wiederum wurden anstelle der „alten“ Stein- und Korkeichenwälder Nadelbäume gepflanzt. Es sind auch Espen und an den Flussläufen Oleander, Schwarz-Erlen und Weiden zu sehen. Im Unterholz verstecken sich seltene Pflanzenarten, wie die Sardische Johannisbeere, das korsische Veilchen und der Königsfarn - drei der 56 Endemismen dieses Gebietes -, und finden auch Säugetiere Unterschlupf, wie Wildschwein, Wiesel, Hase, Marder, Fuchs und die zwei neu eingeführten Arten Damhirsch und Mufflon, die Inbegriff für die sardische Fauna sind. Über den Gipfeln kreisen der Königsadler, der „Herr“ der Himmel des Limbara, Habichte, Wanderfalken, Bussarde und Sperber.
Großteil des Gebietes wird von der regionalen Agentur Forestas verwaltet, die es in zwei Waldabschnitte geteilt und dort diverse Wanderrouten eingerichtet hat, deren Namen sich auf die Besonderheiten dieses Berges beziehen und die teilweise mit Mountainbike befahrbar sind. Die neun Kilometer der „Tafoni“ - Route führen auf eine Entdeckungsreise der durch die Witterung ausgehöhlten Granitfelsen; die Route „die Verbindung“ führt durch Wälder und künstlich angelegte kleine Seen, die Lebensraum für Wasservögel und Fische bieten; die Route „Tiere und Pflanzen“ führt zum Gehege, in dem Mufflons und Damhirsche leben; die Route „versante sud“ (Südhang) führt von den Gipfeln tief in die Südtäler hinein. Die 12 km lange Route „La sommità“ führt durch den Pavari - Garten mit seinen esotischen Pflanzenarten bis zur Punta Balistreri, dem höchsten Gipfel des Limbara (1362 m). Der Gipfel diente zunächst der NATO und später der Militärluftfahrt als Kommunikationsbasis. Nahe davon erhebt sich das Kirchlein Madonna della Neve. „La via delle acque“ ist eine 30 km lange Route, die zu den zahlreichen Wasserquellen führt, deren hochwertiges Wasser sich vor allem durch seinen niedrigen Mineralgehalt auszeichnet und die die Hänge des Bergmassivs durchsetzen. Es wurden insgesamt 29 Quellen und Fontänen gezählt, alle durchwegs aus Granit ganz auf die Umgebung abgestimmt und in das Grün der Natur versunken. Auf diversen speziellen Pfaden mit Rast- und Picknick-Plätzen sind diese zu besichtigen. Atemberaubend ist auch das sich bietende Panorama: Von den Tälern rund um den Lago Coghinas bis zur Nordwestküste.
Der Berg ist Teil der Geschichte des Climbing, denn hier sind die ersten Klettertouren der Insel unternommen worden (1921). Es gibt zahlreiche klassische clean Kletterrouten (bzw. Routen, die keine Spuren am Fels hinterlassen), die sich auch über 200 m erstrecken. Ins Auge sticht der Anstieg von Monti Longu, der auch als Littaghjesu-Turm bezeichnet wird und zu den schönsten Granitfelsnadeln der Inseln zählt. Der Limbara ist jedes Jahr Schauplatz des weltweit berühmten Musikevents Time in Jazz: Dessen Klang hallt in den Felsen und Wäldern wider und dank seiner rhythmischen Ausdruckskraft ist dieses Schauspiel ganz besonders reizvoll. Auf den Hängen dieses Bergmassivs wurde auch das Ökomuseum für Kunst und Natur Semida (Pfad) eingerichtet: Hier wird der Besucher auf eine Entdeckungsreise zu den vielen in die Naturoase eingebetteten Kunstwerke begleitet. In der Talsenke hingegen am Rand von Berchidda, der Heimat des Vermentino, sind das Weinmuseum und die Regionale Vinothek erwähnenswert.