Auf ihren Namen geht Iglesiente zurück, das Gebiet, das im Mittelpunkt des sardischen Bergwerkepos steht und dessen Hauptstadt sie ist. Sie zählt 27.000 Einwohner, ist Bischofssitz und Erbe der alten Diözese von Sulcis. Iglesias heißt auf Spanisch „Kirchen“. Nicht umsonst stechen in einer Stadt mit ruhmreicher Vergangenheit, vor allem unter der katalanisch-aragonesischen Herrschaft (als es königliche Stadt war) die Feierlichkeiten rund um die Karfreitagsbräuche hervor, die in Form und Farbe spanische Bräuche in Erinnerung rufen. Die Mysterienprozessionen am Kardienstag und -freitag sind besonders beeindruckend. Unter den Kirchen sind vor allem die Kathedrale Santa Chiara (aus dem 13.Jh.), die Kirchen Madonna delle Grazie, Del Collegio, einem „Jesuitentempel“ und San Francesco sehenswert, einem der best erhaltenen und bedeutendsten Bauten Sardiniens in gotisch-katalanischem Stil, in der ein Retabel aus dem Jahr 1560 aufbewahrt wird. Erwähnenswert sind auch die Ruinen von San Salvatore, einem der wenigen kreuzförmigen byzantinischen Bauten (9.-11.Jh.). Von Iglesias geht der Bergwerkpfad Santa Barbara weg: 400 Kilometer in 24 Etappen, die zu Fuß oder mit dem Mountainbike zurückgelegt werden können, um Geschichte und Glauben des Sulcis zu erforschen. Eine weitere Tradition, die man sich nicht entgehen lassen sollte, ist der Mittelalterliche historische Umzug Mitte August, bei dem Musiker, Fahnenschwinger und Figuranten der historischen Stadtviertel in mittelalterlichen Kostümen durch die Stadt ziehen.

Die Bergwerke waren über ein Jahrhundert lang seit Mitte des 20.Jh. der Reichtum des Iglesiente. Heute sind sie ein industriearchäologisches Erbe des von der UNESCO anerkannten geologisch- bergbaulichen Parks Sardiniens. Im Bergwerksmuseum Museo dell’Arte Mineraria, das im „Asproni“-Institut untergebracht ist, einem im Jugendstil gebauten Palast aus dem Beginn des 20.Jh. und im Museum der Bergwerksmaschinen Museo delle Macchine wird mit einer Sammlung von Mineralien, Plastiken, Rekonstruktionen von Bergwerksbereichen und der Ausstellung von Originalbergwerksmaschinen dessen Entwicklung durchlaufen. Um die Bergwerke auch „von innen“ zu sehen, kann man mit Führungen das Bergwerk von Monteponi, einer der wichtigsten Förderanlagen Italiens, in Nebida Gruben, Schächte, Stege und Häuser der Bergleute (in denen 1910 3.000 Menschen lebten und das heute ein Geisterdorf ist), darunter die Waschanlage Lamarmora (1897) sowie das Bergwerk von Masua und Porto Flavia besichtigen. Dieses zukunftsweisende, revolutionäre Werk ermöglichte die direkte Verladung der Mineralien und ist ein in der Mitte einer Felswand eingebauter Hafen, wo ein 600 m langer steil über dem Meer abfallender Schacht beginnt. Daran anschließend stößt man auf die Schätze des Küstenstreifens des Iglesiente, wie: den langen Strand von Porto Paglia, die Felsklippen von Masua und Pan di Zucchero, ein 132 m hohes, von der Zeit geprägtes Naturdenkmal, den kleinen Strand von Porto Flavia sowie Canal Grande di Nebida, ein Tal, das von 100 m hohen steil ins Meer abfallenden Felswänden gesäumt wird und das von blauem und smaragdgrünem Meer umgeben ist. Die steile Küste mit ihren bezaubernden Buchten ist ideal für so manchen Schnappschuss. Nach dem Meer kann man sich die diversen kulinarischen Köstlichkeiten zu Gemüte führen: Vom Thunfisch über die mit Kartoffeln und Minze gefüllten Raviolis bis hin zu Süßspeisen auf Mandelbasis, die ebenso Augenschmaus wie Gaumenfreude sind.