Die imposante Burganlage liegt über Bosa . Sie wurde 1112 auf dem Gipfel des Berges von Serravalle von der toskanischen Adelsfamilie Malaspina dello Spino Secco errichtet, die sich Mitte des 11. Jahrhunderts auf der Insel niederließ. Es wird erzählt, dass der eifersüchtige Marchese eine Unterführung vom Schloss zur Kathedrale baute, damit seine schöne Frau geschützt vor neugierigen Blicken zur Kirche gehen konnte. Eines Tages schnitt er ihr bei einem Wutanfall die Finger ab und wickelte sie in ein Taschentuch, das er, nachdem er seine Wahnsinnstat vergessen hatte, vor seinen Freunden aus der Tasche zog. Als die Finger zu Boden fielen, wurde er entdeckt und inhaftiert. Der Legende nach sollen einige Felsen des Schlosses die versteinerten Finger oder die steinernen Zeugen des Grauens sein.

Im Inneren der Festung ist die Aura der historischen Ereignisse spürbar. Die Burganlage gehörte zum Judikat von Torres, ging aber dann an die Richter von Arborea über. Bevor sie langsam aufgegeben wurde, wurde die Burganlage verschiedenen Änderungen unterzogen. Wenn man die Treppen im Osten und Westen von Bosa hinuntersteigt oder in den engen Gassen des Viertels sa Costa ist die Struktur noch gut erkennbar. Die Burg wurde in mehreren Phasen gebaut. Im 12. Jh. wurden ein Turm und ein Teil der Nordmauer und darauf im 14. Jh. der einst dreigeschossige Hauptturm aus hellem Stein des Architekten Capula errichtet, der auch den Turm von San Pancrazio und den des Elefanten (1305-7) erbauen ließ. Die Stadtmauern, die entlang des gesamten Hügels verlaufen, und sieben viereckige Türme stammen aus einer späteren Zeit. Unter den Aragoniern wurde ein fünfeckiger Turm aus grauem und rotem Trachyt hinzugefügt. Innerhalb der Mauern befindet sich die Kirche von Unsere Liebe Frau von Sos Regnos Altos (14.-15. Jh.) mit wunderschönen spanischen Fresken. Hier finden Ende September stimmungsvolle Feiern statt.

Man kann sich Bosa im 17. Jahrhundert vorstellen, als es noch vollständig durch Mauern geschützt war. Von der Burg aus hat man einen spektakulären Ausblick auf die Häuser mit ihren bunten Fassaden entlang des rechten Ufers des Flusses Temo, die alte Gerbereien am gegenüberliegenden Ufer und die Ponte Vecchio (Alte Brücke), die die beiden Ufer miteinander verbindet. Das Zentrum bildet Bosa nova, das in der Nähe des Flusshafens neu gegründet wurde. Vom gewundenen Fluss erstreckt sich das Dorf bis zu den Hängen des Berges von Serravalle. Bosa vetus lag stattdessen weiter im Landesinneren, in der Nähe der romanischen Kirche von San Pietro extra muros in der heutige Ortschaft Calmedia. Die Bewohner zogen zum Schutz unter die Burg und gründeten den Stadtteil sa Costa, die fast zwei Jahrhunderte dauerte.