Die Gemeinde Settimo San Pietro liegt auf einer Flussterrasse im Campidano di Cagliari, nicht weit von der Hauptstadt entfernt. Der Ortsname, der im Mittelalter einfach 'Settimo' lautete, kommt von dem lateinischen Ausdruck "ab septimum lapidem": An diesem Ort befand sich, sieben Meilen von der Hauptstadt der römischen Provinz, eine "mansio" (das heißt eine Poststation) auf der Straße, die von Caralis ins heutige Parteolla führte. Die Besiedlung des Gebietes reicht jedoch viel weiter zurück. Eine "Siedlung" aus der Ozieri-Kultur bestätigt die Präsenz und das Interesse des Menschen für das Gebiet schon in der Jungsteinzeit, ebenso wie das Höhlengrab (domu de janas) "S'acqua 'e dolus", während der nuraghische Brunnentempel Cuccuru Nuraxi aus der Bronzezeit stammt. Im Mittelalter gehörte Settimo zum Judikat Cagliari und ab 1257 zu den überseeischen Gebieten der Stadt Pisa. 1324 fiel der Ort an die Aragonier und gehörte ab 1363 zur Grafschaft Quirra. Die Ortschaft hat sich rund um die Kreuzung der beiden Hauptstraßen entwickelt und bewahrt noch heute zahlreiche Häuser aus Lehmziegeln ("ladiri"), die für die südlichen Regionen Sardiniens prägend sind.

In der Ortsmitte ragt die Pfarrkirche auf, die 1442 San Pietro geweiht wurde. Der Bau des Gebäudes geht jedoch auf das beginnende sechzehnte Jahrhundert zurück. Von der ursprünglichen spätgotischen Anlage sind die Fassade, das Kirchenschiff und das Presbyterium erhalten, während die Kapellen und die letzten beiden Reihen des Glockenturms im 17. und 18. Jahrhundert hinzugefügt wurden. Die Fassade schließt mit einer bezinnten Fläche ab und hat ein Spitzbogenportal. Das Kirchenschiff ist in fünf Felder unterteilt, während es nur fünf Kapellen gibt. die letzten beiden sind sehr tief und übernehmen die Funktion des Querschiffs. Besonders lohnend ist außerdem die Besichtigung des Brunnentempels Cuccuru Nuraxi, dessen Eingang sich auf der Höhe eines wenige Kilometer von der Ortschaft entfernten Hügels auftut. Die archäologische Stätte besteht aus einem Komplex, der Überreste eines mehrtürmigen Nuraghen in Verbindung mit einem Votivbrunnen und dem Brunnentempel einschließt. Die in den Tempel hinabführende Treppe geht von einer Art Licht- und Luftschacht in einem der Nuraghentürme ab. da die ersten drei oder vier Stufen fehlen, läuft sie nach oben spitz zu. Das Tholosgewölbe mit rundem Grundriss ist etwa 5,75 Meter hoch. Auf dem gepflasterten Boden öffnet sich der eigentliche Brunnenschacht, der von einem schönen Steinring eingefasst ist. Der aus Steinreihen gebaute zylindrische Schacht führt 12 Meter tief unter die Erde, bis er in einen in den Fels gehauenen engen Siphon übergeht, der weitere 10 Meter in die Tiefe führt. Im Gebiet von Settimo gibt es überdies zwei kleine Landkirchen im romanischen Stil, die San Pietro und San Giovanni Battista geweiht sind. Die Kirche San Giovanni, aus örtlichem Kalkstein gebaut, geht auf das 13. Jahrhundert zurück und bewahrt die Bogenreihen und Stützen der ursprünglichen dreischiffigen Halle. Daneben und zum Teil darunter sind die Überreste einer Villa aus spätrömischer Zeit erhalten, die ansprechende vielfarbige Mosaike enthält. Die Feste zu Ehren von San Giovanni Battista (am 24. Juni) und San Pietro (am ersten Septembersonntag) sind die wichtigsten religiösen Ereignisse im Ort. Bei beiden Festen läuft die Zeremonie ähnlich ab. Eine Prozession von Gläubigen begleitet die Heiligen in die jeweiligen Landkirchen. Die Statue des Heiligen wird auf einen alten, von Ochsen gezogenen Karren gestellt, der mit Blumen und bunten Bändern geschmückt ist und durch die mit Blütenblättern und Minze ("sa ramadura") bedeckten Straßen des Ortes zieht. Am Sonntagmorgen wird in der Landkirche die heilige Messe gefeiert. Am Ende des Gottesdienstes werden sardisches Gebäck und Malvasia an alle Anwesenden verteilt. Am Sonntagabend kehrt der Heilige ins Dorf zurück, begleitet von einer Prozession, bei der die "traccas" (mit Blumen und bestickten Tüchern festlich geschmückte Ochsenkarren) aufziehen und die Gläubigen die traditionelle Tracht von Settimo und den umliegenden Dörfern tragen. So geht es zur Pfarrkirche zurück.