Knapp viertausend Hektar Wald mit Stein- und Korkeichen, wo auch ungestört der sardische Hirsch lebt, das Wahrzeichen der Fauna Sardiniens. Der Naturpark des Monte Arcosu ist in den Gutturu Mannu-Park (große Schlucht) mitten in Berg- und Waldgebiet eingebettet. Er gehört zum Gebiet von Assemini, Capoterra, Siliqua und Uta, die nur wenige Dutzend Kilometer von Cagliari entfernt liegen. Lange Zeit war diese Gegend privates Jagdgebiet, in dem auch Wilderer den Tierbestand beträchtlich dezimiert hatten, und erlebte erst 1985 eine erneute Blüte, als es vom WWF erworben und das größte italienische Naturschutzgebiet eingerichtet wurde.

Der Naturpark wird von einem bogenförmigen Berg dominiert, auf den auch der Name Arcosu zurückgeht, und von zwei wichtigen langen und engen Tälern durchzogen. Gesäumt werden diese von steil abfallenden Hängen und durchquert vom Rio Guttureddu und Rio Sa Canna, die am Beginn des Naturschutzgebietes zusammenfließen und nach einigen Kilometern den Rio Santa Lucia bilden. Die Naturoase umfasst zwei Gebiete. Das erste wurde 1984 vom WWF erworben und überschneidet sich großteils mit dem Becken des Rio Guttureddu, dessen Tal einem Amphitheater gleich vom Monte Lattias mit seinem 1086 m hohen Gipfel überragt wird: Er mutet wie eine Steilwand mit Granitfelsnadeln an. Im Südwesten erreichen die Anhöhen 700-800 Meter, im Südosten hingegen erstreckt sich die Naturoase über 300-400 m hohes Hügelland. Am granitenen, unebenen Westhang des Lattias beginnt der zweite Teil des Naturparks, ein 600 Hektar großes Viereck, das direkt an den ersten Teil angrenzt und 1996 erworben wurde. Es ist aufgrund der Vielfalt seiner Berggrate ein besonders reizvolles Gebiet, das den Nordhang des Monte Is Caravius, dem höchsten Gipfel des Sulcis (1116 m) umfasst, einer sanften, waldbedeckten Anhöhe. Nördlich des besagten Teils stößt man auf die „Sprünge“ des Wasserfalls Su Spistiddatroxiu, südlich hingegen auf abgerundete Bergkämme, die teilweise von Granitfelsen durchbrochen sind.

Wenn man tiefer in den Wald eindringt, wird man vom intensiven Duft der immergrünen mediterranen Macchia überwältigt. In mittlerer bis hoher Lage überwiegen hingegen Erdbeerbaum, Steinlinde, Stein- und Korkeichen. Unter den baumartigen Gewächsen wiederum überwiegt der Wacholder. An den Wasserläufen wachsen Oleander, Weiden und Schwarz-Erlen. Aber auch an Raritäten fehlt es nicht: Dazu gehört eine Population von Eiben sowie eine von Silber-Pappeln, Überreste eines primären Steineichenwaldes und gut 46 Endemismen. Abgerundet wird das Naturschauspiel durch Zyklamen, Farn und Orchideenarten. Der dichte Macchia-Wald gibt auch dem sardischen Hirsch Unterschlupf nur knapp dem Aussterben entronnen ist: 1985 wurden in diesem Gebiet nur 80 Exemplare gezählt. Derzeit leben im Naturschutzgebiet über tausend Exemplare.der Damhirsch, eine weitere Wildart, die hier wieder eingeführt wurde. Sie können in einem Gehege am Rio Guttureddu beobachtet werden: Sie sind an Besucher gewöhnt und nähern sich auch von selbst an. Zu den weiter verbreiteten Säugetieren zählen Wildschwein, Wiesel und Fuchs. Unter den 70 Vogelarten steht der Raubvogel an erster Stelle: Wanderfalke, Sperber, der seltene sardische Habicht sowie der noch seltenere Königsadler.

Von den beiden Besuchszentren der Naturoase führen Naturpfade weg, die markiert, mit Rastplätzen versehen und für die zwei Stunden vorgesehen sind. Die anstrengendere Route des Rio Sa Canna hingegen geht vom Eingang des Naturparks weg und verläuft entlang des Flusses durch einen Wald bis zur Spitze des Hügels, der die Naturoase überragt. Der Weg, der vom Gästehaus Perdu Melis weggeht, ist bequemer und führt durch den Wald rund um den Rio Guttureddu. Zusätzlich zu den beiden Routen gibt es auch 15-25 km lange Wanderwege, die insgesamt 80 km lang sind und sich in Schwierigkeitsgrad und Dauer unterscheiden. An unwegsamen und wilden Strecken kann man mit viel Geduld und Ausdauer auch Hirsche und Raubvögel erspähen. Es sind im Sommer auch Nachtwanderungen und Besuche von Wildgehegen und Beobachtungshütten vorgesehen.

Die 3600 Hektar dieses Naturschutzgebietes bilden ungefähr ein Zehntel der 35.000 Hektar des Naturparks Gutturu Mannu, einer Schlucht, die vom gleichnamigen Bach durchquert und von einer Grünfläche bedeckt ist. Der Naturpark umfasst zwei Wildtieroasen und grenzt an das Gebiet Pixinamanna-Is Cannoneris, zwei weiteren üppigen Steineichen-, Nadelbaum- und Macchiaflächen, sowie den Wald von Monti Nieddu an.